Franz Kinker

Geschichten vom Bio Bauern aus dem Allgäu


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Glücksgefühl – to roll on

Ungefähr im halbjährlichen Rhythmus ereilt mich die freundliche Einladung meiner Frau, sie nach Füssen zum Einkaufen zu begleiten. Wenn ich ihre Worte höre: „Franz, du brauchst a neues Häs“ ( Gewand, in Hochdeutsch) dauert es nicht mehr lange.
Vorige Woche war es dann soweit.
Hochmotiviert und in bester Kauflaune, wohlwissend dass zu Hause ein Haufen Arbeit liegen bleibt, bestieg ich unser Auto und chauffierte meine Frau in die Stadt.
Schon am Ortsschild, die Karawane vor mir betrachtend, beschlich mich die Ahnung: „Bauer Franz, das ist nicht dein Tag.“ Nach unendlichem Suchen erscheint der ersehnte Parkplatz. Natürlich weitab jeglicher Zivilisation. Das heißt Fußmarsch in Richtung Innenstadt. Den Menschenmassen folgend schreiten wir in die Fußgängerzone. Die Unterhaltung beschränkt sich auf das Notwendigste.

Einkaufen ist halt nichts für Männer.

Mein Gesicht erhellt sich erst, als ich die Eisdiele erkenne. Drei Kugeln Eis in der Waffel. Das muss einfach sein, das hebt die Stimmung.
Frisch gestärkt geht es nun von einem Bekleidungsgeschäft ins nächste. Die eine Hose zwickt, die andere ist zu kurz, und dort ist das Hemd zu bunt. Mit großer Geduld und freundlicher Mine präsentiert mir eine nette Verkäuferin im letzten Geschäft ein Häs, das meinen Vorstellungen entspricht. So, das war´s jetzt wieder für ein halbes Jahr, denke ich mir.
Mit vollbepackten Einkaufstüten verlassen wir den Laden in Richtung Drogerie.  Meine Frau ist auf der Suche nach Kosmetikartikeln. Damit die Zeit einigermaßen sinnvoll vergeht, schlendere ich durch die Regale und spähe nach Zahnpasta mit biologischem Hintergrund.

Auf einmal sehe ich das Glücksgefühl

Unscheinbar, versteckt zwischen allerlei Deo´s entdecke ich plötzlich das Glücksgefühl. Ich wundere mich, was die Kosmetikindustrie  alles herstellen kann. Und   so bequem zum Auftragen auf die Haut…. Ich bin begeistert. In dieser Firma müssen schon sehr intelligente Leute arbeiten, die es fertig bringen, das Glück in so eine kleine Glasflaschen abzufüllen. Woher die das wohl zukaufen? Oder stellen die das selber her, so ähnlich wie bei der Homöopathie? Fragen über Fragen.
Mein Entschluss steht aber fest: Das will ich unbedingt probieren. Ob das wirklich hilft, wenn ich mir das Deo unter die Arme schmiere. Ich suche mir einen Tag raus, an dem ich geladen bin. Wenn mich irgendwas besonders ärgert. Und dann geh ich ins Bad und probiere das aus.

Der passende Tag ist gekommen

Es hat zwar eine Weile gedauert, aber irgendwann war er da. Der Tag, an dem alles schief ging, was schiefgehen konnte. Irgendwann  erinnerte ich mich an mein Glücksgefühl, das so einsam im Badschrank stand, und das ich doch ausprobieren wollte.
Missmutig stiefelte ich ins Bad und forschte nach dem Deo Fläschchen. Oberkörper frei, und los geht’s. Jetzt nicht sparen, denn viel hilft ja bekanntlich viel.

Wie die Geschichte ausgegangen ist, das kann ich euch noch nicht berichten.
Ich  vermute, das dauert eine Weile, bis das Glücksgefühl wirkt. Inkubationszeit heißt das, soweit ich mich erinnern kann.
Meine Frau hat mich dann im Bad stehen sehen, mir ins Gesicht gesehen und gemeint:
„Franz, komm zu mir in die Küche, trinken wir an Kaffee und essen einen Faschingskrapfen. Dann sieht die Welt wieder anders aus.“

Und da war es, das Glücksgefühl……….

 

 

 

 


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S´Meggele

Ich bin´s, das Meggele. Wahrscheinlich kennt ihr mich noch nicht. Ich verrat´s euch schnell, sonst müsst ihr bis am Ende raten, wer ich bin. Ein Meggele ist allgäuerisch und damit ist ein Kälbchen gemeint. Männlich oder weiblich, das ist egal. Wir heißen hier alle „Meggele“.

Mein Zuhause ist ein Iglu

Ich bin jetzt schon eine Woche alt und quietschfidel. Mir geht es echt super gut. Ich habe ein eigenes Zuhause, es ist ein Iglu. Ja, ihr habt richtig gelesen, ein Iglu. So nennen die Milchbauern hier im Allgäu diese Boxe. Die hat ein rundes Dach  und ist kuschlig mit Stroh eingestreut. Und da es wie ein Iglu aussieht, heißt mein Zuhause auch so – auch wenn ich kein Eskimo bin. Mein Iglu ist aus Plastik und an meine Größe angepasst. Es bietet mir Schutz vor Wind und Wetter. Vorne ist ein Gitter angebracht, da hängt mir die   „ Bäuerin Irmi“, dreimal am Tag einen Nuckeleimer mit frischer Milch von meiner Mama hin. Die ersten Tage ist die Irmi sogar zu mir ins Iglu gekrochen und hat mir gezeigt, wie man am Nuckel trinkt. Ich hab´s ja nicht gewusst, wie man das so macht. Als ich dann gemerkt habe, dass die Milch aus dem grünen Nuckeleimer kommt, und nicht aus dem Euter – wie ich es irgendwie eher vermutet hätte, da bin ich immer gleich aufgesprungen, wenn ich die Irmi gesehen habe. Irmi lächelt immer so und streichelt mich am Kopf. Vermutlich ist sie ganz froh darüber, dass sie sich nicht mehr zu mir in das Iglu zwängen muss. War doch ein bisserl eng für uns zwei.

Eigentlich fing ja alles mit meiner Geburt an. Ich hörte den „Bauern Franz“, sagen, dass die nicht ganz so prickelnd war. Eigentlich besch…..n, wenn man es genau nimmt. Ich kam nachts auf die Welt. War mir aber egal. Bei meiner Mama drinnen war es ja auch immer dunkel. Ich konnte nicht ahnen, ob es draußen hell oder dunkel ist. Nun ja, meine Mama bekam Wehen, und ich merkte, dass etwas passierte. Bis dahin war alles unspektakulär. Manchmal wurde ich im Bauch meiner Mama hin und her geschaukelt, wenn sie über die Weide lief oder sich im Stall bewegte. Das war aber auch alles. Jetzt auf einmal spürte ich von hinten diesen Druck und wurde vorwärts gepresst. Plötzlich sah ich etwas Helles und musste mit meinen Augen zwinkern.

Ich war auf der Welt.

Die Geburt war leider nicht so angenehm, wie ihr das vielleicht aus dem Fernsehen  kennt. Ich fiel buchstäblich in die Sch…e. Meine Kumpels, die Kälbchen, die im Sommer geboren werden, haben es da besser. Die kommen meist auf der Weide auf die Welt, fallen ins weiche Gras und sind picobello sauber. Ich wurde aber im Winter geboren und hab´s deshalb nicht ganz so optimal getroffen. Das Gute an der Sache war aber, dass meine Mama sofort reagiert hat. Gewöhnlich brüllen die Mütter, wenn ihre „Kinder“ geboren sind. Das ist ein natürlicher Instinkt. Meine Mama hat das auch gemacht, und das hat der Bauer Franz gehört.

Er hörte das deswegen, weil er im Stall so ein neuartiges Ding hat. Die Menschen nennen es Kamera mit Tonübertragung. Scheint eine komplizierte Technik zu sein, weil immer wieder mal jemand danach schaut, und etwas daran rum stellt. Funktioniert aber trotzdem ganz gut, sonst hätte Franz ja meine Mama nicht brüllen hören.

Jedenfalls kam der Bauer im Stall-Overall und mit Gummistiefeln anmarschiert. Als er mich sah, zog er mich an den Beinen in die Liegeboxe, wo meine Mama lag. Dort rieb er mich mit frischem Stroh ab. Meine Mama war anscheinend auch überglücklich mich zu sehen, und begann sofort mich abzulecken. In dieser Zeit bereitete der Franz vermutlich das Iglu vor. Auf jeden Fall war es bei meinem Umzug mit frischem Stroh eingerichtet. Irgendwann später kam dann der Franz mit einer Art Sackkarre bei mir an. Er lud mich rein, und wir zwei fuhren zum Iglu. Ihr denkt jetzt vielleicht, das ist ja schlimm, von der Mama getrennt zu werden. Fand ich aber gar nicht, für mich war es ganz ok so. Im Stall bei den Kühen, da habe ich mich nicht wohl gefühlt. Ich war da nur im Weg. Außerdem wurde mir kalt. Der Franz hat mir im Iglu mit einem blauen Spray noch meinen Bauchnabel desinfiziert, und dann zog er mir eine Jacke über – er nannte sie Kälberdecke. Die war weich und ganz warm. Der Franz hat sich ganz liebevoll um mich gekümmert, fast so wie meine Mama in der Liegeboxe. Meine Mama hat er sogar von Hand gemolken, und mir dann die frische Milch gebracht. Oh war die lecker….

Ja, so war meine Geburt. Richtig aufregend und spannend für mich. Mittlerweile ist der Alltag eingekehrt. Auf dem Bauernhof von Franz und Irmi, da sind auch viele andere Menschen. Irmi nennt sie Feriengäste. Vor allem deren Kinder kommen jeden Tag bei mir vorbei und wollen mich streicheln. Den größeren Kindern hat die Irmi gezeigt, wie man die Milch der Kühe, die Kälbermilch, aufwärmt, und die Kinder  dürfen dann den Eimer mit der Milch zu mir bringen. Die sind dann fast so glücklich wie ich, wenn ich meine Mich bekomme und den Eimer voller Begeisterung austrinke. Ich versteh das zwar nicht ganz, aber ist mir auch egal. Hauptsache mein Bauch ist voll, und ich habe keinen Kohldampf mehr.

Mit den Kindern eine Runde drehen

Gestern kam der Bauer Franz mit einem Halfter zu mir ins Iglu. Ich habe verdutzt geschaut, weil da noch eine ganze Schar Kinder um meine Hütte stand. Ich hab mich schon gewundert, was das soll – bin doch kein Fohlen, das man am Halfter führt. Als mir der Franz das Halfter dann anpasste, und die Türe am Iglu öffnete, da wurde mir klar, dass ich mit den Kindern einen Hofrundgang machen durfte. Oh, was hatte ich für einen Spaß. Die Kinder führten mich am langen Seil auf die angrenzende Wiese – yippie! Dort hüpfte ich ein paar Runden und war dann ganz außer Puste. So ein Fitnessprogramm war ich nicht gewohnt. Aber schön war´s.

 

Paulin Kalb Kinder

 

Ich hab das Gefühl, dass ich es ganz gut getroffen habe, bei den Kinkers. Im Sommer darf ich dann mit den anderen Meggeles raus auf die Weide. Darauf freu ich mich jetzt schon.

Vielleicht sehen wir uns dort ja mal, dann kann ich euch mein Zuhause zeigen. Wird bestimmt cool.

Euer Meggele

 

 


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Wo geht die Reise hin?

Die Zeit zwischen den Jahren sollte man als Landwirt nicht nur dazu verwenden, sich von den Strapazen des Jahres zu erholen, sondern auch dazu, mal inne zu halten und über das nachzudenken, wie es persönlich und betrieblich weiter gehen soll.

Mal zu überlegen: bin ich erfolgreich in meinem Beruf, ist der Hof zukunftsfähig, stehen große Investitionen an, habe ich genügend Freizeit, ist jemand da, der die Hofnachfolge mit Begeisterung antritt?

All das sind Fragen, denen man sich von Zeit zu Zeit stellen muß. Ich bin mir sicher, dass dies viele meiner Kollegen nicht tun, oder nur zaghaft. Sie rackern von früh bis spät und machen sich keine Gedanken, wo ihr Betrieb in fünf Jahren stehen soll. Ausser wenn im Ort oder sogar weit ausserhalb eine Fläche zur Pacht ansteht, da werden sie hellwach.

 Wachsen oder weichen

Jahrzehntelang hat es funktioniert, dieses Prinzip. Große Betriebe haben die Kleinen geschluckt. Die Großbetriebe profitierten von der Effizienzsteigerung. Die Stückkosten sind gesunken – allerdings bei steigenden Maschinen- und Personalkosten. Wer clever war, der nahm die Hilfe von Lohnunternehmern an, und investierte nicht grenzenlos in einen eigenen Maschinenpark.

Jetzt funktioniert dieses Prinzip in vielen Bereichen der Landwirtschaft wie z.B. bei Milch, Schweine- und Fleischproduktion nicht mehr. Das Prinzip hat sich geändert auf nur noch „weichen“. Wachsen bringt nichts mehr, denn wer pro Liter erzeugter Milch draufzahlt, dem hilft es auch nicht, wenn er mehr davon erzeugt. Er zahlt dann halt noch mehr drauf. So einfach ist das.

 Beständig ist nur der Wandel

Noch nie in der Geschichte war die Zeit so schnelllebig. Eine Geschäftsidee, die heute boomt, die kann morgen schon ein Ladenhüter sein, wenn die Firma nicht am Puls der Zeit bleibt. Ich erinnere mich noch gut, als sich viele Firmen durchrationalisierten. Alle Teilbereiche, die nicht in das große Konzept passten, die wurden verkauft. Man fokussierte sich auf EIN Geschäftsfeld. Heutzutage stellen sich viele Betriebe wieder breiter auf. Wenn ein Bereich mal nicht so läuft, dann wirft meist eine andere Sparte den gewünschten Ertrag ab. Der Betrieb kann flexibler reagieren, und eine Durststrecke aushalten. Genauso wie es mein Anlageberater von der Bank immer predigt: „Setz nicht alles auf ein Pferd“, Wir Landwirte müssen auch überlegen, ob wir uns alternative Standbeine zulegen. Allerdings schränke ich ein: Die Geschäftsideen müssen überschaubar bleiben. Denn über viele Beine, da kann man auch stolpern…..

 Auf uns warten neue Herausforderungen wie das Tierwohl, die neue Düngeverordnung, der aufgeblähte Bürokratismus und die Öffentlichkeitsarbeit.

Weil wir gerade beim Thema Wohlbefinden sind: Ich bin der Meinung, es geht in der Produktkette allen wohl, ausser den Erzeugern. Den Weiter- Verarbeitern, Händlern und Ladenketten ist es piep egal, wie teuer sie ihre Produkte einkaufen. Sie geben ihre Marge weiter, und können gut davon leben. Sie stärken sogar ihre Marktmacht durch Mega- Fusionen, um künftig noch mehr Macht auszuüben. Die Verlierer in diesem Spiel, das sind die Erzeuger. Ich bin gespannt, wie lange wir uns das noch gefallen lassen.

Meine Wünsche für 2017

Ich wünsche mir von der kommenden Regierung, dass sie die Belange und Nöte der Bauern erkennt, versteht und entsprechend handelt. Vom bisherigen Bundesminister für Landwirtschaft bin ich maßlos enttäuscht. Er überlässt die Bauern dem Schicksal des freien Marktes, und opfert dafür die Zukunft des ländlichen Raumes. Es muss endlich mal in die Köpfe der Regierenden hinein, dass die heimische, regionale Landwirtschaft auch eine volkswirtschaftliche Bedeutung hat. Nicht nur der Export von Wirtschaftsgütern wie Autos und Maschinen. Wenn das Höfesterben so weitergeht, dann machen wir uns bald zum Nahrungsmittel Importeur ersten Ranges. Ferner wünsche ich mir, dass wir wieder zu überschaubaren Betriebsstrukturen zurückkehren. Eine Massentierhaltung findet in der Bevölkerung keine Akzeptanz. Der Umbau von Ställen kann aber nur finanziert werden, wenn Geld im Portemonnaie der Bauern ist.

Ein weiterer Wunsch ist, dass wir faires Miteinander pflegen. Deutlich wird das zum Beispiel in der Erntezeit. Da fahren die Bauern einfach mal bis in die Nacht hinein, oder die Nacht hindurch. Sie machen das nicht mit Absicht, um jemanden zu ärgern. Sie nutzen das günstige Wetter aus. Das ist ganz legitim.
Ein respektvoller Umgang ist auch notwendig mit Personen, die sich pflanzlich ernähren. Wenn die Zahl derer steigt, dann eröffnet das wiederum Absatzmöglichkeiten für uns Bauern….. Denkt mal drüber nach, liebe Kollegen.

Am Schluß, da wünsche ich mir, dass wieder Schwung auf´s Land kommt. Dass die Ellenbogen-Mentalität verschwindet, und die „Jungen“ die Höfe ihrer Eltern übernehmen. Dass wir einen gerechten Lohn für unsere Arbeit erhalten, um frohen Mutes in die Zukunft zu blicken.

 

Euer Bauer Franz vom Berghof Kinker

 

 

 

 

 


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Hast du schon mal Milch getankt?

 

Nein, nicht so wie du jetzt denkst. Nicht für´s Auto. Dafür ist eine Milchtankstelle nicht gedacht. Wenn du dort frische Milch tankst, dann kannst du dir selber was Gutes tun. Und auch dem Bauern.

Eine Milchtankstelle hat viele positive Effekte: Der Landwirt kann einen Teil seiner Milch an einem Milchautomaten höherwertig verkaufen als über die Molkerei. Das ist in Zeiten, in denen der Milchpreis so niedrig ist wie derzeit, ganz wichtig. Klar, der Landwirt hat auch einen größeren Aufwand. Die Milchtankstelle muss erst mal bezahlt werden, und meist kommt noch ein Gebäude herum um die Tankstelle. Der Automat muss regelmäßig befüllt, gereinigt, und gewartet werden.

Den entscheidenden Vorteil sehe ich aber darin, dass der „ Bauer und die Kuh wieder ins Dorf“ kommen. Wenn ihr mal in eure Dörfer und Städte blickt: wie viele Bauern gibt es denn noch, und von wem könnt ihr frische Milch kaufen? Wenn ich unsere Feriengäste gelegentlich frage, dann kommt meist die Antwort:“ Bei uns, da gibt es keine Milchbauern mehr. Und wenn, dann nur ganz Große, die haben ihren Stall weit Außerhalb.“

 Regionalität, die ist wieder „in“

Der Anteil der Konsumenten, die Produkte aus der Region kaufen, steigt ständig. Das freut mich. Auch die großen Handelsketten haben erkannt, dass ihre Kunden verstärkt danach fragen. Jeder clevere Händler platziert die regionalen Erzeugnisse im vordersten Regal, und wirbt mit Bildern von bärtigen Bauern mit ihren glücklichen Kühen auf der Weide.

Kurze Wege

Die kurzen Warenströme haben auch aus Umwelttechnischer Sicht klare Vorteile. Milch aus dem Allgäu, die muss nicht unbedingt im Kühlregal in Hamburg stehen. Dort oben, da gibt es auch Molkereien. Als ich kürzlich mit dem Reisebus nach Hannover unterwegs war, da bin ich erschrocken, wie viele LKW Tag und Nacht unterwegs sind. Ich bin mir sicher, dass viele Transporte eingespart werden können, wenn die Kunden mehr Produkte aus ihrer Gegend kaufen.

Was spricht noch für den Einkauf an einer Milchtankstelle?

Viele Landwirte runden ihr Angebot mit Handelsprodukten von Kollegen ab. Der Kunde macht sich ja nicht gerne nur wegen der frischen Mich auf den Weg. Wenn dort Eier, Marmeladen, Honig, Nudeln, usw. angeboten werden, dann ist der Grundbedarf für eine Familie schon fast gedeckt.

 

Milchtankstelle 2

Milchtankstelle 2

 

Nicht zu vergessen sind die sozialen Aspekte

Ein Milchautomat, der steht meist an Stellen, die entweder gut mit dem Auto zu erreichen sind, oder dort, wo sich viele Menschen aufhalten. Ich habe schon einige Milchtankstellen gesehen, die waren hübsch dekoriert, und eine kleine Sitzbank stand unter dem Vordach. Die Leute haben sich dort getroffen, sich unterhalten und die Dorf-Neuigkeiten ausgetauscht. Auf diese Weise kommt wieder Leben ins Dorf. Ich kann mir gut vorstellen, dass auch ältere Bürger diesen Service in ihrem Ort schätzen. Wer kein Auto besitzt, und auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen ist, der ist sicher froh wenn er im Ort einkaufen kann.

 

Auch die Feriengäste werden dieses Angebot schätzen

Im Urlaub, da ticken die Uhren anders. Die Gäste erholen sich. Sie genießen ihre Freizeit und das kulinarischen Angebot. Da wird nicht jeder Cent genau betrachtet. Wer an einem lauen Sommerabend spontan Lust auf eine Grillparty hat, der fährt zum Regiomaten, und kauft sich dort die entsprechenden Zutaten. Rund um die Uhr.

Auch das berühmte Mitbringsel aus dem Urlaub für die Familie oder die Nachbarn, die sich zu Hause um die Blumen gekümmert haben – das kann man hier erwerben. Wer diese regionalen Produkte als Dankeschön aus dem Urlaub mitbringt, der kann sich sicher sein, dass seine Anerkennung gut ankommt.

 

Gut für das Image der Landwirtschaft.

Ich bin fest davon überzeugt, dass so ein schlüssiges Konzept wie oben beschrieben, dem Image der Landwirtschaft sehr förderlich ist. Wenn der Konsument dieses schmucke Häuschen sieht, und die eindrucksvolle Präsentation der Produkte – das begeistert doch.

Für die Zukunft wünsche ich mir, dass noch mehr Bauern den Schritt in diese Richtung wagen. Vorausgesetzt ist allerdings, dass ein ausreichender Kundenstamm und die Arbeitskapazitäten langfristig vorhanden sind.


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Spielen eure Kinder noch, oder gehören sie auch zu den Handy-Scheibenwischern?

Als ich kürzlich mit meiner Frau auf einem gemütlichen Sonntagsspaziergang unterwegs war, kamen wir an einem alten, unbewohnten Bauernhof vorbei. Der Weg führte um den abgeschiedenen Hof herum. Als ich einen Blick hinter die Scheune warf, begannen meine Augen zu glänzen. Stand da nicht einsam und verlassen eine alte Dreschmaschine? So eine, auf der wir Kinder damals spielten? Mein Herz schlug höher. Da niemand zu sehen war, näherte ich mich der altertümlichen Maschine, und begann sie zu inspizieren. Meine Kindheitserinnerungen wurden wach, und ich dachte verträumt an meine Jugendzeit zurück, als wir gemeinsam mit den Nachbarskindern auf genau derselben Maschine spielten. Die Dreschmaschine war DER angesagte Treffpunkt nach der Schule.

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Unser Abenteuerspielplatz aus meiner Jugendzeit: Eine alte Dreschmaschine

In ihr konnte man sich verstecken, herumkriechen, auskundschaften für was die einzelnen Bauteile wohl nütze waren, und man konnte vor allem Schrauben herausdrehen. Die konnte man immer gebrauchen.Vor allem für andere Bauprojekte wie Seifenkisten, Anhänger, Baumhäuser usw. Wir brauchten dann so viele Schrauben, bis am Ende die Maschine in sich zusammenkrachte.
Ärger gab es damals aber keinen, denn die Dreschmaschine brauchten unsere Eltern nicht mehr. Die Zeit des Getreideanbaus war vorbei. (Ärger gab es aber zum Beispiel, wenn wir das Benzin aus der Motorsäge des Vaters herausließen und in unser Moped schütteten. Wenn der Vater dann in den Wald wollte, und die Motorsäge nicht ansprang, dann war eine Standpauke angesagt. Diese haben wir in den meisten Fällen aber gut vertragen, denn wir hatten ja vorher unseren Spaß beim Moped fahren.)

 

Seifenkisten waren der Anfang

Der absolute Renner unserer Kindheit war aber der Bau unserer Seifenkisten – für die wir ja immerhin schon mal die Schrauben hatten. Die Fertigung begann mit der Suche nach einem geeigneten Grundträger. Ein alter Kinderwagen war der erste Prototyp, sozusagen das Vorserienmodell. Schnell zeigte sich aber, dass das Fahrzeug unsere kurvenreiche zwölfprozentige Gefällestrecke nicht lange aushielt. Es musste etwas besseres, stabileres her. Wir stöberten solange in Vaters Alteisenhaufen, bis wir vier Räder eines Heuwenders aufgetrieben hatten. Als dann noch ein altes Autolenkrad und ein Traktorsitz zum Vorschein kamen, konnte die Montage unseres verbesserten Renners beginnen. Papa schweißte uns aus ein paar alten Rohren einen vernünftigen Rahmen. Als alle Bauteile montiert waren, versahen wir unsern „Ferrari“ noch mit roter Farbe und nach dem Trocknen gingen wir mit unserem Renner auf die Straße. Zum Glück haben unsere Eltern nie gesehen, welche waghalsige Manöver und Rennen wir uns lieferten …

Phänomenale Bausteine

Neben dem Bau von Seifenkisten waren wir stundenlang mit Lego spielen beschäftigt. Was haben wir mit den genialen Bausteinen nicht alles für kühne Bauwerke erstellt. Die Legokiste, das war unsere Schatztruhe. Und jedes Jahr zu Weihnachten, zum Geburtstag oder zu sonstigen Anlässen kamen neue Steine hinzu. Unsere Eltern wussten, dass man uns damit eine Freude bereiten konnte.

Und heute, was erleben die Kinder heutzutage?

Unzählige Knirpse sitzen in ihren Wohnzimmern vorm PC oder dem Smartphone und beschäftigen sich stundenlang mit Computerspielen, deren pädagogischer Wert meist bezweifelt werden darf. Ich denke , dass es sich manche Eltern hier bei der Kindererziehung etwas zu einfach machen. Frei nach dem Motto: “Das Kind ist beschäftigt, und wir haben unsere Ruhe“.
Bei dieser Methode bleibt die kindliche Entwicklung, die Feinmotorik, die Kreativität, die sozialen Kontakte und vieles mehr auf der Strecke.

Und falls den Kindern doch mal „die Decke auf den Kopf fällt“ und sie  ihre Wohnung verlassen, dann gehen sie auf Spielplätze mit vorgefertigten Spielgeräten – von Erwachsenen entworfen, für Kinder gebaut; das kann nicht funktionieren.

Mir ist wohl bewusst, dass unsere Kindheit auf dem Bauernhof ein Privileg war. So wie wir aufgewachsen sind, das ist in der heutigen Zeit eher ungewöhnlich.

Probiert es mal mit „Urlaub auf dem Bauernhof“

Und dennoch gibt es Möglichkeiten, den Kindern ein Stückchen Natur zu bieten. Bei einem Urlaub auf dem Bauernhof zum Beispiel. Auf den meisten Bauernhöfen gibt es Platz in Hülle und Fülle – und die Gefahren einer Großstadt sind fern. Auf einem Hof gibt es Gelegenheit mit den anderen Gästekindern Räuber und Gendarm zu spielen, eine Wasserschlacht zu machen, Tiere zu versorgen und, und, und….. Viele Gastgeber haben sich als Kinderbauernhof oder Erlebnisbauern qualifiziert. Sie bieten unter anderem Spiel- und Heuscheunen an, gestalten naturnahe Spielräume oder erzählen Märchen im Heu. Bei uns auf dem Berghof Kinker sind die Märchenstunden ein besonderes Highlight. Ich freu mich jedes Mal, wenn sich die Kinderschar um mich versammelt, und mir gespannt zuhört.

 

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Märchenstunde im Heu gemeinsam mit Bauer Franz

 

Genau diese Erlebnisse, die sind es, die sich bei den Kindern einprägen. Ich wünsche den Kindern viele solcher Erlebnisse und hoffe, dass sie sich oft und gerne an den Urlaub auf dem Bauernhof erinnern.

 

Euer Bauer Franz

 


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Der kleine Ampfi

Hallo, ich bins. Der kleine Ampfi. Wie ihr sicher schon am Namen erkennen könnt, bin ich noch ein ganz junger Ampfer.

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Der kleine Ampfi

Später mal, wenn ich groß bin, dann gehöre ich zur Familie der Stumpfblättrigen Ampfer. Zu meinen Freunden gehören der Krause Ampfer, der Sauerampfer und noch viele mehr.

 

Uns geht es richtig gut. Wir alle wachsen auf einer wunderbar sonnigen Wiese vom Bauern Franz und blicken hinunter auf den Forggensee, die Berge und die Königsschlösser.

Ab und zu kommen die Kühe vom Bauern vorbei. Im Sommer sind die jeden Tag auf unserer Weide und fressen sich satt. Ich muss zugeben, ich hab hin und wieder schon Muffensausen, wenn sich eine Kuh mit ihrer langen Zunge zu mir hinunterbückt. Dann wird es ganz finster und ich höre die Kaugeräusche der Kuh. Oh, ich kann euch sagen: Das ist gruslig.

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Kuh auf der Weide

Von meinen Eltern habe ich aber erfahren, dass ich mich aber nicht fürchten brauche. Die Natur hat uns Ampfern eine Säure geschenkt, die in unseren Blättern versteckt ist. Diese heißt Oxalsäure. Sie schmeckt eklig, hat Papa gesagt. Das wissen die Kühe, und sie fressen in einem großen Bogen um uns herum. Ach bin ich froh, dass das so ist.

 

Mir geht es so richtig gut….

Eigentlich führe ich ein sorgenfreies Leben. Mit meiner langen Pfahlwurzel bohre ich mich tief in den Boden, und ziehe aus den verschiedenen Bodenschichten die Nährstoffe, die ich zum Wachsen brauche. Wenn es im Sommer mal so richtig trocken ist, dann finde ich dort unten noch immer genug Wasser. Wenn die Gräser um mich herum schon die Flügel hängen lassen, dann geht es mir noch prächtig.

Ich muss allerdings zugeben, dass mein Leben auch Schattenseiten hat. Wenn der Bauer Franz seine Kühe von der Weide holt, dann höre ich ihn oft vor sich hinmurmeln: „Die Scheißblecken, die werden auch immer mehr!“

( Das Wort Scheißblecke ist ein original Allgäuer Ausdruck und bedeutet: Ampfer)

Das gibt mir dann zum Denken: Was der Bauer wohl vor hat? Meine Eltern hatten mal getuschelt: „Wir Ampfer seien Platzräuber, und nehmen den Bauern wertvollen Platz für Futtergräser weg. Auch sei unser Futterwert ganz gering. Deshalb sind wir Ampfer wohl nicht so beliebt.“

Von meinem Aussichtshügel konnte ich schon beobachten, wie andere Bauern mit Traktor, Spritzfaß und langen Schläuchen auf den Wiesen herumgefahren sind, und meine Kollegen besprüht haben. Die sind dann eingegangen, meine Kumpel.

Zum Glück ist er Biobauer, unser Franz. Der macht so was nicht.

Er hat aber eine andere Methode, der Franz. Der Franz ist ein schlaues Kerlchen. Der hat sich viele ganz komische Gabeln gekauft. Die haben nur zwei Zinken und sind ganz stabil. Aus der Ferne konnte ich sehen, wie er damit in den Boden sticht, und die Ampfer heraushebelt. Das scheint aber eine beschwerliche Arbeit zu sein, denn schon nach einer Stunde war Franz wieder verschwunden. Entweder hatte er Kreuzweh, oder einfach keine Lust mehr.

Dann kamen auf einmal viele Menschen

Eines Tages rückte Franz mit dem Traktor, einem Wagen und einer ganzen Schar voller Leute an. Der Sprache nach waren das wohl seine Feriengäste. Eltern, Kinder, sogar eine Frau mit Rollstuhl war dabei. Mir wurde ganz schummrig.

Ampfer stechen

Die Feriengäste helfen fleissig beim Ampferstechen

Die Leute schienen hoch begeistert zu sein, auf jeden Fall waren sie ausgeruht. Alle liefen kreuz und quer um mich herum, und bohrten im Boden. Die Kinder riefen: „Ich hab die längste Wurzel – nein ich….“ So ging das den ganzen Nachmittag. Ich duckte mich so gut es ging, und ich muss zugeben: ich hatte Glück. Keiner hat mich gefunden. Die lärmende Truppe ist an mir vorbeigezogen. Später, als es schon dämmerte, kam Irmi, die Bäuerin, und brachte den Gästen was zu Essen und zu Trinken. Die machten dann alle Picknick im Gras und brüsteten sich, wer denn nun die längste Ampfer- Wurzel aus dem Boden gezogen hat.

 

 

Ampfer lange Wurzel

Die Kinder freuen sich: „Ich hab die längste Wurzel!“

Ich war in dem Moment einfach nur froh, dass die mich übersehen hatten.

 

Nun ja, der Herbst ist vorüber, die Kühe sind im Stall, und der Bauer Franz denkt jetzt auch nicht mehr an seine Ampfer. Vielleicht nächstes Jahr wieder.

Und wenn die Truppe wieder auftauchen sollte, dann weiß ich mir ja zu helfen: dann duck ich mich einfach wieder…..

Seid lieb gegrüßt von mir,

Euer Ampfi vom Berghof Kinker


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Früher war er anders, der Verbraucher

 

Als die Andechser Molkerei in ihrem monatlich erscheinenden Rundbrief dazu aufrief, sich als Landwirt/in an einer Öffentlichkeitskampagne zu beteiligen dachte ich erst: „Nö, keine Zeit“. Verständlich, denn im Herbst muss das letzte Gras gemäht werden, neue Weiden gezäunt, Gülle gefahren und noch vieles mehr an Vorbereitungen für den kommenden Winter erledigt werden. Da hat ein Landwirt viel zu tun.

Und ausserdem: „In der Molkerei ist ein ganzes Team von Marketing- Leuten beschäftigt, sollen das doch die machen, die kennen sich im Marketing besser aus als ich“.

Als ich eine Nacht drüber geschlafen habe, beschlich mich der Gedanke: „ Klug wäre es schon, wenn statt einer Marketing- Dame ein Landwirt oder eine Bäuerin fachkundig Auskunft gibt. Nichts ist authentischer, als wenn der Erzeuger hinter dem Produkt steht, an dessen Entstehung er maßgeblich beteiligt war.

Meine Frau, die Irmi, hat sich beim Frühstück über den plötzlichen Sinneswandel gewundert, war aber nicht abgeneigt, mich nach München zu begleiten. Nach einer Schulung bei der Andechser Molkerei über die richtige Präsentation der Produkte waren wir gerüstet für den Auftritt im Bio-Laden. Ein Problem war allerdings, dass wir abends niemand hatten, der uns die Kühe melkte. Glücklicherweise erklärte sich die Freundin unseres Sohnes, die Verena, mich zu begleiten.

Andechser Bio Markt.jpg

Franz und Verena  auf Marketing-Tour

So reisten wir zwei, Verena und ich, in fescher Tracht nach München. Vom Marktleiter des Vollcorner wurden wir freundlich begrüßt, und wir machten uns daran, unseren Stand aufzubauen. Nachdem die Probierbecher gefüllt, und ordentlich aufgereiht waren, warteten wir zwei auf die ersten Kunden.

 

Vormittags war der Andrang allerdings recht bescheiden. Die meisten Münchner waren anscheinend bei der Arbeit, nur einzelne Kunden schlenderten durch die Regale.

Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass wir zwei in dem Laden eher störten. Wir wurden gar nicht wahrgenommen. Die Kunden füllten zielgerichtet ihre Einkaufswägen und umrundeten uns elegant mit ihren Fahrzeugen. So konnte das nicht weitergehen. Wir sind doch nicht umsonst hierhergefahren!

Verena, wir müssen eine Offensive starten..

Nach einer kurzen Kaffeepause änderten wir die Strategie. Wir rückten unseren Stand so zurecht, dass die Kunden an uns vorbei drängeln mussten. Außerdem sprachen wir sie direkt an: „ Möchten Sie unseren leckeren Trinkjogurt probieren?“ Diese Vorgehensweise zeigte spärlichen Erfolg. Einzelne Damen ließen sich dazu hinreißen, ein Becherchen zu greifen, auszuschlürfen, und im Anschluß daran im Kühlregal das entsprechende Produkt sogar zu kaufen. Unsere Stimmung erhellte sich zusehends.

Was es in der Großstadt alles für Leute gibt….

Zwischen den Muttis mit Kinderwagen tauchten plötzlich die „Verkabelten“ auf. Was, ihr kennt die „Verkabelten“ nicht? Das sind die modernen jungen Damen und Herren, die sich zwei Lautsprecher in die Ohren stecken, die an Kabeln mit dem Handy verbunden sind. Die Herren hatten es ganz besonders wichtig. Ich vermute, sie wurden von der Partnerin zu Hause ferngesteuert, denn sie huschten ständig am Regal hin und her. Nach Rücksprache mit Daheim landeten dann einzelne Produkte in dem Einkaufswagen. Dann waren da noch die „Business-Menschen“. Das sind die, die ganz wichtige Telefonate am Handy führten, vermutlich mit dem Konzernchef. Geistesabwesend griffen sie am Vorbeigehen ins Regal. Diese schwer beschäftigten Kunden anzusprechen – keine Chance.

Das dritte Klientel waren dann die „Lactose-Intoleranten“. Die haben sofort abgewinkt und beschwichtigend erklärt:“ Ich darf so was nicht trinken, ich bin Lactose intolerant“.

Ach ja, dann waren da noch die Grippekranken. Das sind die, die das Taschentuch zücken und murmelnd erklären, dass sie an Grippe litten und keinen Geschmack hätten.(Komischerweise zückten sie immer dann ihr Papiertaschentuch und schnäuzten sich, als sie an unserem Stand waren…)

 Und da war dann noch die, die meinte: Milch wäre ungesund

Die Krönung war dann die junge Mutter, die ein rotzendes und hustendes Kind im Wagen vor sich herschob. Als sie mir erklärte, dass Milchprodukte ungesund sind, dachte ich mir: „Wenn das, was der Knirps zu sich nimmt, so gesund ist, dann müsste er mich doch rotbackig und fröhlich aus dem Kinderwagen anlachen, und nicht hüstelnd und nasetriefend im Wagen sitzen.

Wäre nicht zwischendurch der leutselige Marktleiter aufgetaucht, der uns ein Sandwich anbot, dann hätte mich der Frust gepackt. Das konnte doch nicht sein, dass so viele Menschen keine Milchprodukte vertragen. Wer soll die denn dann essen?

Es gibt noch welche vom „alten Schlag“

Man darf die Hoffnung aber nie aufgeben. Denn es gibt sie noch, die Kunden vom „alten Schlag“. Das hat nicht unbedingt was mit dem Alter zu tun. Auffallend ist jedoch, dass gerade die älteren Herrschaften noch Zeit und Muße hatten, uns anzusprechen: „Sagt mal, wo kommt ihr denn her? Ihr seid ja richtig fesch!“ So kam man ins Gespräch und konnte die eine oder andere Frage der Kunden beantworten, was ja der eigentliche Sinn der Aktion war.

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Ein Kunde probiert unsere leckeren Drinks

 

 

Als es dann Zeit für die Heimreise war, packten wir unser Köfferchen mit den Probier- Utensilien wieder zusammen, und fuhren mit dem Zug nach Hause. Gedankenverloren aus dem Fenster blickend dachte ich mir: „Ach, wie schön haben wir es doch zu Hause auf unserem Bauernhof“. Diese Ruhe. Umgeben von Menschen und Tieren, die noch richtig ticken. Ein Paradies auf Erden…..

 Nehmt euch wieder mehr Zeit für´s Einkaufen und für´s Geniessen….

 

Ich hoffe, ihr konntet ein wenig zwischen den Zeilen herauslesen, was ich mit meinen Gedanken bezwecken möchte: „ Lasst den Einkauf, das Zubereiten der Speisen und das anschließende Genießen der Gerichte wieder zu einem sinnerfüllten Erlebnis werden.“

Gerade in unserer hektischen Zeit sollte man sich wieder auf diese Werte rückbesinnen.