Franz Kinker

Geschichten vom Bio Bauern aus dem Allgäu


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Wie aus „Wilden Kräutern“ leckere Burger werden

Meine Frau, die Irmi, ist eine sehr begnadete Köchin, die leidenschaftlich gerne in ihrer Küche experimentiert. Sie schmökert in unzähligen Kochbüchern, sucht nach Oma´s Rezepten, und wandelt diese zum Teil auf „ihre“ Art und Weise ab. Im Hinterkopf hat sie dabei immer die Absicht, möglichst „gesund“ zu kochen. Ihre Kochbegeisterung konnte Irmi im Jahr 2015 unter Beweis stellen, als sie an der Sendereihe Landfrauenküche des Bayerischen Rundfunks teilnahm.
Ihr Bauerngarten, der sich auf einer sonnigen Anhöhe, direkt am Haus befindet, dient ihr für viele Gerichte als ideale Quelle für die Zutaten.
Eines Morgens las sie in der Tageszeitung, dass Die Hauswirtschafterei auf der Oberlandausstellung in Weilheim ein Wettbewerb um den besten Burger veranstaltet. Da möchte sie dabei sein, tat sie mir Kund, und  gab  Vollgas. Vor dem Wettbewerb wollte sie ihre eigene Burger- Kreation Probekochen, damit bei der Prämierung nichts schiefgeht.
Rings um den Hof suchte sie auf den Wiesen nach Brennnesseln, Gundermann, Spitzwegerich und weiteren Artgenossen. Zum Glück wachsen diese auf unserem Betrieb aufgrund der Biologischen Wirtschaftsweise  in großer Vielzahl, und das Körbchen war schnell gefüllt.
Als es sich bei unseren Gästekindern  herum sprach, dass die Bäuerin noch ein paar Assistenten zum Kneten und Rühren in der Küche benötige, war die Schar gleich zur Stelle und ging voller Eifer ans Werk. Beim Betrachten des bunten Treibens  fiel mir der alte Spruch ein: „Viele Köche verderben den Brei“. Allerdings musste ich mich am Ende eines Besseren belehren lassen: Die Küchencrew machte einen super Job.

 

Kinder Teig kneten

Die Garten- und Wiesenkräuter mussten gewaschen, fein  geschnitten und in den Teig eingearbeitet werden. Das Kneten war dann „Männersache“, wie man auf dem Bild deutlich erkennen kann. Nach dem  Abschmecken mit Gewürzen  ging es mit den Teiglingen ab in den Backofen.

 

Während des Backens der Brötchen kümmerte sich Irmi um das Anbraten der Leberkäs- Scheiben, den Dipp und die Dekoration des Burgers. Der appetitliche Duft, der sich aus der Küche  im ganzen Haus verteilte, verführte mich zu gelegentliche Patrouille -Gängen an die Küchentüre. Als endlich das Signal aus der Küche kam: „Essen ist fertig“ stürzten wir uns hungrig auf die ofenwarmen Burger.
Ein Gedicht, sag ich euch!

Wer mag, der kann von mir das Rezept gerne haben, denn das Gericht ist zur Nachahmung empfohlen.

 

Wildkräuter Ussen- Burger

Wildkräuter Burger

 

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Glücksgefühl – to roll on

Ungefähr im halbjährlichen Rhythmus ereilt mich die freundliche Einladung meiner Frau, sie nach Füssen zum Einkaufen zu begleiten. Wenn ich ihre Worte höre: „Franz, du brauchst a neues Häs“ ( Gewand, in Hochdeutsch) dauert es nicht mehr lange.
Vorige Woche war es dann soweit.
Hochmotiviert und in bester Kauflaune, wohlwissend dass zu Hause ein Haufen Arbeit liegen bleibt, bestieg ich unser Auto und chauffierte meine Frau in die Stadt.
Schon am Ortsschild, die Karawane vor mir betrachtend, beschlich mich die Ahnung: „Bauer Franz, das ist nicht dein Tag.“ Nach unendlichem Suchen erscheint der ersehnte Parkplatz. Natürlich weitab jeglicher Zivilisation. Das heißt Fußmarsch in Richtung Innenstadt. Den Menschenmassen folgend schreiten wir in die Fußgängerzone. Die Unterhaltung beschränkt sich auf das Notwendigste.

Einkaufen ist halt nichts für Männer.

Mein Gesicht erhellt sich erst, als ich die Eisdiele erkenne. Drei Kugeln Eis in der Waffel. Das muss einfach sein, das hebt die Stimmung.
Frisch gestärkt geht es nun von einem Bekleidungsgeschäft ins nächste. Die eine Hose zwickt, die andere ist zu kurz, und dort ist das Hemd zu bunt. Mit großer Geduld und freundlicher Mine präsentiert mir eine nette Verkäuferin im letzten Geschäft ein Häs, das meinen Vorstellungen entspricht. So, das war´s jetzt wieder für ein halbes Jahr, denke ich mir.
Mit vollbepackten Einkaufstüten verlassen wir den Laden in Richtung Drogerie.  Meine Frau ist auf der Suche nach Kosmetikartikeln. Damit die Zeit einigermaßen sinnvoll vergeht, schlendere ich durch die Regale und spähe nach Zahnpasta mit biologischem Hintergrund.

Auf einmal sehe ich das Glücksgefühl

Unscheinbar, versteckt zwischen allerlei Deo´s entdecke ich plötzlich das Glücksgefühl. Ich wundere mich, was die Kosmetikindustrie  alles herstellen kann. Und   so bequem zum Auftragen auf die Haut…. Ich bin begeistert. In dieser Firma müssen schon sehr intelligente Leute arbeiten, die es fertig bringen, das Glück in so eine kleine Glasflaschen abzufüllen. Woher die das wohl zukaufen? Oder stellen die das selber her, so ähnlich wie bei der Homöopathie? Fragen über Fragen.
Mein Entschluss steht aber fest: Das will ich unbedingt probieren. Ob das wirklich hilft, wenn ich mir das Deo unter die Arme schmiere. Ich suche mir einen Tag raus, an dem ich geladen bin. Wenn mich irgendwas besonders ärgert. Und dann geh ich ins Bad und probiere das aus.

Der passende Tag ist gekommen

Es hat zwar eine Weile gedauert, aber irgendwann war er da. Der Tag, an dem alles schief ging, was schiefgehen konnte. Irgendwann  erinnerte ich mich an mein Glücksgefühl, das so einsam im Badschrank stand, und das ich doch ausprobieren wollte.
Missmutig stiefelte ich ins Bad und forschte nach dem Deo Fläschchen. Oberkörper frei, und los geht’s. Jetzt nicht sparen, denn viel hilft ja bekanntlich viel.

Wie die Geschichte ausgegangen ist, das kann ich euch noch nicht berichten.
Ich  vermute, das dauert eine Weile, bis das Glücksgefühl wirkt. Inkubationszeit heißt das, soweit ich mich erinnern kann.
Meine Frau hat mich dann im Bad stehen sehen, mir ins Gesicht gesehen und gemeint:
„Franz, komm zu mir in die Küche, trinken wir an Kaffee und essen einen Faschingskrapfen. Dann sieht die Welt wieder anders aus.“

Und da war es, das Glücksgefühl……….

 

 

 

 


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Erlebnistage Bodenfruchtbarkeit

Eine sehr gute Initiative. Auf die natürliche Fruchtbarkeit des Bodens muss wieder mehr Wert gelegt werden. Das fängt damit an, dass das Bodenleben in seiner Vielfalt unterstützt und gepflegt wird.

Fruchtbarer Boden ist die Grundlage allen Lebens und muss langfristig gesichert werden. Die Qualität und Fruchtbarkeit eines Bodens durch Sehen, Fühlen und Riechen selbst erfahren – die Möglichkeit dazu gibt’s im Herbst 2017 auf den ersten Bodenfruchtbarkeitstagen, die von der Bio-Stiftung Schweiz, dem Bodenfruchtbarkeitsfonds und BaselWandel mit Partnern durchgeführt werden.  Auf drei verschiedenen Höfen/Initiativen kann alles rund um das Thema Boden erkundet und erlebt werden.

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Samstag, 23. September 2017: Nuglar Gärten in Nuglar-St. Pantaleon (CH)

Von 13.30 – 20 Uhr: „Solidarische Landwirtschaft mit Verantwortung für den Boden“. Aktivitäten: 2000 m² WeltackerTour, Workshops für Gross & Klein, Tauschbörse für Eingemachtes, AckerZnacht, Musik & Tanz, Erntedankfest

Samstag, 30. September 2017: Gärtnerei am Goetheanum in Dornach (CH)

Von 11 – 17 Uhr: „Bodenleben fördern durch den biologisch-dynamischen Impuls“. Aktivitäten: Spatendiagnose, Lebewesen im Kompost, biologisch-dynamische Präparate, Infostände, Kurzführungen für Jung & Alt.

Samstag, 7. Oktober 2017: Hof Dinkelberg in Schopfheim (D)

Von 14…

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Wenn der Bauer Grippe hat.

 

Diesen Artikel schreibe ich aus aktuellem Anlass. Die Fakten sind also nicht irgendwo hergeholt, sondern es ist ein Tatsachenbericht. Ich steck mittendrin. So richtig mit Fieber und allem, was dazugehört.
Das Jahr hat eigentlich ganz gut begonnen.  Niemand war ernsthaft krank, und so war ich der guten Hoffnung, dass der Kelch  in diesem Jahr an mir vorüberginge. Leider habe ich mich getäuscht. Irgend so ein verlassenes, herumirrendes  Virus hat den mühsamen Weg zu uns nach Ussenburg auf über 920 m Höhe geschafft. Mich wundert es schon, was es bei uns da oben anstellen will. Hier wohnen doch nur ein paar Leute. In der Stadt, da wäre es doch viel interessanter. Das kleine Virus  könnte unbemerkt von einer Haustüre zur anderen huschen, und die Leute dabei beobachten, wie sie alle schniefen, frieren und husten. Es hat sich vermutlich gedacht: wenn ich schon mal hier bin, dann möchte ich auch das tun, wozu ich bestimmt bin. Und so kam es schnurstracks auf mich zu, und hat mich angesteckt.
Dass etwas nicht mehr so ganz stimmt, das habe ich schon vor mehreren Tagen bemerkt. Damit meine  Frau nicht überrascht wird, und nicht aus allen Wolken fällt, sagte ich ihr: “ I glaub, i verkranke.“

Diese vier unheilvollen Worte hört meine Frau Irmi nicht allzu gerne. Sie weiß dann, dass die Laune ihres Ehemannes rapide umschlägt, dass sie viele Arbeiten von mir übernehmen, und dass sie ihre homöopathischen Kompetenzen ausreizen muss.
Heutzutage nimmt ja die ganze soziale Welt an einem Krankheitsgeschehen teil. Sobald man bei Facebook eine Silbe davon erwähnt, kommen Genesungswünsche und vor allem die ungewöhnlichsten Rezepturen, mit denen sich das Übel schnell beseitigen ließe.
Als Irmis Freundin einen Vorschlag aus ihrem Heimatland Polen schickte, ich solle heiße Milch mit Honig und Knoblauch trinken, und sie dieses Gebräu mir auch noch servierte, da wurde es mir noch flauer im Magen als es ohnehin schon war. Ich deutete ihr an, dass ich Vieles mit mir machen ließe.  Sie könne mich mit Globulis und Tabletten vollstopfen, sowie heisse Kartoffelsäcke auf meine Brust legen,  aber diese Mischung möchte sie doch in den Gully kippen. Ich könnte mir vorstellen, dass sich das Getränk in Verbindung mit Wodka konsumieren ließe, aber dieses Gemisch in Reinform auf puren Magen – eine Horrorvorstellung. Als Irmi zur Grippevorbeugung selber einen Schluck von dem östlichen Medizingemisch nahm, kam sie zu der Erkenntnis, dass ich ausnahmsweise Recht hätte.      Schließlich einigten wir uns, dass wir uns künftig wieder auf bayerische Hausmittel beschränken, um unsere Krankheiten zu kurieren.

Nun ja, das Virus dachte sich wahrscheinlich: Wenn ich schon mal da bin bei dem Bauer Franz, dann beginne ich auch gleich mit meiner Arbeit. Das Ergebnis ließ nicht lange auf sich warten. Ohne Appetit und mit einer Wärmflasche im Arm torkelte ich in Richtung Bett. Die Wärmflasche war übrigens über mehrere Tage und Nächte mein ständiger Begleiter. Man kann gar nicht glauben, wie schnell man sich an diese angenehme  Gesellschaft gewöhnt.
Die erste Nacht mit Fieber hinterließ ihre Spuren. Mit durchnässtem Schlafanzug riss mich der Wecker um halb sechs aus dem Dämmerschlaf. Was viele von euch vielleicht gar nicht wissen: Ein Milchbauer muss seine Tiere versorgen und Kühe melken, auch wenn er krank ist. Ob er will oder nicht. Es gibt keinen gelben Zettel, den man beim Arbeitgeber einreicht, um daheim zu bleiben und die Krankheit auszukurieren. Im äußersten Notfall kommt vielleicht jemand vom Maschinenring – aber das ist mittlerweile nicht mehr garantiert, denn auch hier fehlt qualifiziertes Personal.
Nach mehrmaligem – gewolltem oder ungewolltem Überhören  des Weckers schlurfte ich warm eingepackt in Richtung Stall. Alles lief heute irgendwie langsamer. Routinearbeiten, die sonst im Schlaf von sich gingen, mussten überdacht werden. Das Melken zog sich eine Ewigkeit hin. Mit jedem Blick in den Stall dachte ich: War die Kuh schon mal da? Werden das gar nicht weniger? Ich könnte meinen, ich hätte heute doppelt so viele Kühe als sonst.
Irgendwann fand das Melken doch ein Ende, und auf den ersten Ruf meiner Frau, ich solle reingehen, verschwand ich ohne Widerrede. Dies ist eher ungewöhnlich, denn normalerweise finde ich immer etwas, das noch getan werden muss. Aber in so einem Fall will  man es sich mit seiner treusorgenden Pflegekraft nicht verscherzen. Wer weiß wie lange sich das kleine Virus bei mir aufhält und was es mit mir noch alles anstellt. Ich kann mich dann glücklich schätzen, wenn mir  Irmi die Heisse 7, das Glas Zitronensaft, den Holler Saft, die Globuli Kügelchen und den Dampfomat reicht. Der Dampfomat ist bei uns das Gerät, mit dem man salzhaltige Sole inhaliert.

Statt eines Frühstücks führte mich der Weg in die Dusche und sofort wieder ins warme Bett zu meiner Wärmflasche, die schon auf meine kalten Füße wartete.
In den  kommenden Tagen lief auf dem Hof nur das Notprogramm: Füttern, melken, Kälber tränken, ein bißchen Büro und sonst gar nichts. Viel mehr konnte ich meiner Irmi auch nicht zumuten, denn wie ich schon eingangs erwähnte, stieg mit der Erhöhung des Fiebers auch das Pensum an, an dem ich was rumzunörgeln hatte. Im günstigsten Fall merkt man es dann selber, dass man die Nörgel-Bremse anziehen muss, sonst kocht die Stimmung über.

Ich bin jetzt am vierten Tag meiner Grippe angelangt,  und ich merke, dass das Virus langsam keinem Bock mehr hat. Es hat sich scheinbar ausgetobt bei mir, und verkrümelt sich langsam.
Was ich aber befürchte ist, dass es sich meine Adresse merkt, und nächstes Jahr um diese Zeit wieder bei mir vorstellig wird.

Ich warte es einfach ab, ernähre und bewege mich derweil vernünftig. Und falls wir uns wiedersehen, dann sind wir zwei ja schon alte Bekannte. Vielleicht können wir uns  irgendwie arrangieren, dass das eine oder andere Grad Fieber gar nicht notwendig wäre…..


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Nachhaltigkeit

Das Thema Nachhaltigkeit ist für uns nichts Neues. Es beschäftigt die Familie Kinker schon seit Generationen. Was früher eine Selbstverständlichkeit war, nämlich Erzeugnisse und Dienstleistungen vor Ort zu nutzen, das hat sich, so wie ich es beobachte, in letzter Zeit stark gewandelt.
Diesem Trend sind wir nicht gefolgt. Unser Motto lautet: Global denken – regional handeln.
Genau genommen kommt das Wort „Nachhaltigkeit“ aus der Forstwirtschaft. Vor über 300 Jahren machte sich  Hans-Carl von Carlowitz Gedanken, wie sich der Raubbau im Wald eindämmen ließe. Zum Glück fand der Visionär damals viele Gleichgesinnte, und so kam es, dass sich dieses Prinzip flächig ausbreitete. In der Forstwirtschaft ist es mittlerweile üblich, dass nur so viel Holz genutzt wird, wie auch langfristig nachwächst.

Bunt gemischt, so soll es sein

Bereits im zarten Alter von 16 Jahren hat mir mein Vater die Bewirtschaftung unseres 10 Hektar grossen Waldes übertragen.
In meinem jugendlichen Tatendrang pflanzte ich ein buntes Potpourri von allen möglichen Baumarten, die in unsere Region passten. Mein vorrangiges Ziel war es, den Hang- Schutzwald, der 50% unserer Waldfläche ausmacht, zu stabilisieren und mit Mischbaumarten zu verjüngen. Mühsam baute ich Wildschutzzäune, pflanzte Weißtannen, Bergahorn, Eschen, Buchen und Roterlen unter dem Schirm der Altbäume. Trotz Problemen mit hohem Wildbestand und Hangrutschungen gab ich nicht auf.
Heute freue ich mich, wenn mich am Waldrand die Lärchen begrüßen, und wenn ich an ein paar markanten Stellen meine Exoten, die Mammutbäume entdecke.
Der Wald dient uns als wichtiger CO2-neutraler Rohstofflieferant für Baumaßnahmen auf dem Hof, und täglich wächst in ihm neues Heizmaterial für unsere Hackschnitzelheizung.

Ökologische Landwirtschaft

Schon im Jahre 1988 stellte mein Vater Hans die Weichen für eine Ökologisierung unseres Grünlandbetriebes. Er nahm am Kulturlandschaftsprogramm teil, das der Freistaat Bayern ins Leben rief. Die endgültige Entscheidung, auf Bio umzustellen, fällten meine Frau Irmi und ich im Jahre 1998. Das mulmige Gefühl, für viele Jahre der einzige Biobauer der ganzen Gemeinde zu sein, das legte sich mit der Zeit. Wir haben unseren Entschluss nicht bereut, und sind froh, dass wir diesen Weg eingeschlagen haben.

Stillstand ist Rückschritt

Diesen Satz habe ich irgendwann mal aufgeschnappt, verinnerlicht, und im Lauf der Jahre konsequent umgesetzt. Nicht immer zur Freude meiner Familie, denn es wurde jedes Jahr etwas gebaut. Immer gab es Dreck, Bauschutt und Staub. Was für den Mann eine Herausforderung ist, ist für die Frau meist ein Albtraum. Unser erstes Ziel war, die Ferienwohnungen zu renovieren. Modern und komfortabel sollten sie werden, damit sich die Gäste wohlfühlen. Wir dachten aber nicht nur an das Wohlergehen der Urlaubsgäste, sondern auch an uns selbst. Das mühsame Heizen des Hauses vom Küchenherd aus sollte ein Ende haben. Deshalb kauften wir uns im Jahr 1996 eine moderne Hackschnitzelheizung, die den Holz-Brennstoff automatisch zuführt. Damit die Sonne, die bei uns im Allgäu fleißig scheint, nicht unnütz auf das Dach strahlt, installierten wir Sonnenkollektoren um das Brauchwasser aufzuheizen.

Das Zeitalter der Fotovoltaik

Mein Bestreben, unseren Hof möglichst Energie-autark zu betreiben, kam ich näher durch die Montage der ersten PV- Anlage auf der Maschinenhalle. Im Jahr 2009 war es nicht gerade billig, sich so eine Anlage zu leisten. Allerdings war ich überzeugt, dass diese Form der Energiegewinnung die zukunftsweisende, und folglich die Richtige ist.
Die Begeisterung für die Nutzung der Sonnenenergie war nicht aufzuhalten, sodass mittlerweile drei Anlagen mit einer Gesamtleistung von 50 kwp auf den Dächern liegen.
Momentan nutzen wir einen Anteil von ca. 30% des erzeugten Stromes selber. Diesen Anteil möchte ich deutlich erhöhen, durch den Einsatz eines Batteriespeichers, dessen Kauf kurz bevorsteht.
Bewusst haben wir uns im Jahr 2012 dafür entschieden, dass die fehlende Energie, die wir zukaufen, zu 100% aus erneuerbaren Energien stammt.

Ladestation und Elektromobilität

Der Anfang ist gemacht: Im Dezember 2017 installierte die uns zuverlässig betreuende Firma Epple Energie die erste Tesla Ladestation in der Autogarage. Zwei weitere, öffentliche Ladestationen sorgen ab kommendem Frühjahr dafür, dass Gäste, die mit einem Elektrofahrzeug anreisen, bequem am Parkplatz vor dem Haus aufladen können.
Irmi, die umweltbewusste Bäuerin, nutzt für die täglichen Fahrten zum Badesee während des Sommers mit Begeisterung ihr E-Bike.

Aus dem eigenen Garten- regional, saisonal und bio

Meine Frau kocht nicht nur leidenschaftlich gerne, sie legt auch Wert darauf, dass regionale Speisen auf den Tisch kommen. Sie stöbert in alten Kochbüchern, und findet dabei Gerichte, die schon unsere Vorfahren zubereitet haben. Einfach, schmackhaft und der Jahreszeit entsprechend. Viele der Zutaten baut sie im eigenen Gemüsegarten an. Klimafreundlicher geht es nicht mehr, denn die Transportwege belaufen sich hier auf maximal 20 Meter.
Auch die Äpfel, die auf den Streuobstbäumen wachsen, reisen nicht um die Welt. Wir lesen sie im Herbst, und lassen sie in der Dorf- Kelterei zu köstlichem Apfelsaft pressen. Aus der Dorf-Bäckerei Strobel stammen übrigens auch die leckeren Brötchen, die unsere Gäste täglich zum Frühstück bekommen. Generell orientieren wir uns an den Geschäften aus der nahen Umgebung. Man kennt sich, und wenn es Probleme gibt, hat man einen Ansprechpartner.
Auch bei der Einrichtung der Ferienwohnungen arbeiten wir gerne mit örtlichen Handwerkern zusammen, wie z.B. der  Schreinerei Reitebuch , die herrlich duftende Zirbenholzmöbel herstellt. Einen besonderen Menschen möchte ich noch erwähnen, den Günther Grass mit seiner kleinen Einmann- Firma Biowein Grass.
Günther beliefert uns schon seit Jahren mit erlesenen Bioweinen und allerlei Bio- Lebensmitteln. Was mir an ihm besonders gefällt, ist die Tatsache, dass er seinen Lieferanten einen fairen Preis bezahlt.

Ökonomie und Hofnachfolge

Zum Thema Nachhaltigkeit gehören auch die Bereiche Ökonomie und Soziales. Für mich sind das entscheidende Faktoren. Ein Bauernhof ist nichts anderes als ein Unternehmen. Es muss profitabel geführt werden, damit die nächste Generation Interesse daran hat, es weiterzuführen. Hier sehe ich bei vielen Betrieben ein grosses Problem. Viele Krisen haben dazu geführt, dass die Mehrzahl meiner Kollegen nicht das nötige Eigenkapital zur Verfügung hat, um den Betrieb fit für die Zukunft zu machen.
Aufgrund vorausschauender Denkweise haben wir es geschafft, eine ideale Kombination aus Bio-Landwirtschaft und Tourismus auf die Beine zu stellen.
Wenn alles nach Plan läuft, möchten wir unserem Sohn später einen ertragreichen Betrieb übergeben, mit dem er seine Familie ernähren kann.

Soziales

Zum Ganzheitlichen Denken gehören auch soziale Aspekte. Es versteht sich von selbst, dass unsere Mitarbeiter leistungsgerecht entlohnt werden, dass sie vernünftige Arbeitsbedingungen vorfinden, und sich ausreichend erholen können. Gemäß unserem Motto: Globales Denken unterstützen wir in regelmäßigen Abständen in Form von finanzieller Hilfe das Projekt Jiamini, das sich in Kenia um sozial benachteiligten Straßenkinder kümmert, und ihnen den Start in ein vernünftiges Leben ermöglicht.
Nicht nur in Entwicklungsländern, auch vor der eigenen Haustüre lässt sich Gutes tun. Als der Umbau unseres alten Stalles anstand, machten wir uns Gedanken über die Nutzung des Gebäudes. Das Sinnvollste, so schien es uns, wäre der Bau von Ferienwohnungen. Die Wohnung im Erdgeschoß eignete sich aufgrund ihrer Größe perfekt zur barrierefreien Gestaltung. Den Entschluss, diese Räumlichkeiten an die Bedürfnisse von Personen mit Handicap anzupassen, haben wir noch nie bereut. Die Gäste sind so dankbar dafür, ein Quartier gefunden zu haben, mit dem sie gut zurechtkommen.
Am Ende meiner Ausführungen möchte ich noch erwähnen, dass wir jungen Menschen einen Einblick in unser bäuerliches Leben ermöglichen. Im Rahmen von Praktika lernen Jugendliche aus Waldorfschulen den Umgang mit Tieren, Menschen, Maschinen, dem Kochtopf und den Gartenwerkzeugen.
Kinder und Jugendliche sind unsere Zukunft. Es ist unsere Aufgabe, ihnen entsprechendes Wissen mit auf den Weg zu geben.


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Mein Jahresrückblick 2017

Das absolute Highlight des Jahres war für mich der Besuch im Bayerischen Rundfunk in München und die Vorstellung des Buches: „Glücksgefühl to roll on.“
Deshalb beginne ich mit diesem Foto. War schon echt spannend, auf der Couch zu sitzen und zu wissen: Die Sache ist Live…. Ich denke, wir zwei haben uns ganz gut unterhalten, und über das geplaudert, wie es zu dem Buch kam, und welche Geschichten darin zu lesen sind.

Franz in München beim Bayerischen Rundfunk

Vorstellung des Buches: Glücksgefühl to roll on

Klirrende Kälte, glitzernder Schnee und strahlender Sonnenschein. Schöner kann der Winter nicht sein.  Unsere Gäste, und wir selber natürlich auch, nutzten die Gelegenheit und flitzten auf unseren Langlaufschiern durch die herrliche Natur.

Winterbild Baum Sonne Schnee Gegenlicht -  Bilder des Jahres

Ein wunderbarer Wintermorgen

Als die Frühlingssonne den Schnee weg schmolz, und sich die ersten Löwenzahnblüten zeigten,  servierte Irmi unserem Gast und Freund, Jörg Simm, einen reinigenden Löwenzahntee. Wie ihr seht schöpft Jörg neue Kraft und stärkt sich für den Alltag.
Sicher hilft ihm die Prozedur auch dazu, neue Ideen und Konzepte für Landwirtonline24.de zu entwickeln 🙂

Jörg

Löwenzahntee und Meditation wecken neue Kräfte

Zu  meinen Lieblingsfotos zählt auch dieses. Nach einem heftigen Sommergewitter ziehen dunkle Regenwolken gegen Osten

abendstimmung.jpg

Gewitterstimmung

Mit Feuereifer sind unsere Gästekinder dabei, Irmi beim Backen von Wildkräuterbrötchen zu helfen. Gemeinsam sammelten sie die Zutaten von unseren Wiesen, kneteten den Teig, und formten die Brötchen. Abends nach der Stallarbeit verspeisten wir die Leckereien gemeinsam mit den Eltern in gemütlicher Runde.

Wildkräuterbrötchen backen

Mit Gästekindern Wildkräuterbrote backen

Unsere Kühe durften wieder mal in einem Werbefilm mitmachen. Diesmal für einen Imagefilm des Allgäu Airport

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Filmaufnahmen für den Allgäu Airport

Der eigentliche Chef auf dem Berghof Kinker ist nicht der Bauer Franz, wie viele meinen, sondern unser Gockel „Frederic“. Er schart seine Damen um sich, und sie gehorchen ihm aufs Wort. Unter seiner Regie werden fleissig Eier gelegt, der Misthaufen umgewühlt, das Blumenbeet gejätet, und zur Freude der Bäuerin und Oma Kinker der Hausgarten „gepflegt“.

Frederic

Gockel Frederic

Dieses Foto entstand beim Fotoshooting für das Buch, das wir gemeinsam mit dem   Landschriftenverlag Münster auf den Markt gebracht haben. Liv-Grete unterstützte unseren Fotografen Markus Bauer beim Hin- und Herschleppen von Requisiten, und war immer da, wo man sie brauchte.

Franz Kind Grashalm

Bauer Franz und Liv- Grete

Das Bayerische Wirtschaftsministerium führte eine Reisegruppe aus Angola und Mosambik durch unser schönes Land, um ihnen Einblicke in unser Leben und Arbeiten zu gewähren. Besonderes Interesse hatten die Teilnehmer an mittelständischen Industriebetrieben wie Pfanzelt Maschinenbau . Ich führte sie durch unseren Betrieb und war fasziniert, von welch einfachen Dingen die Damen und Herren begeistert waren. Diese Aktion unterstützte ich gerne, denn mit diesem Wissen können die Teilnehmer  einen wertvollen Beitrag leisten, und ihr Land nach vorne bringen.

Andechser Milchauto

Reisegruppe aus Angola

Wenn es dem Bauern Franz ins Heu regnet, dann braucht er moralische Unterstützung. Maria, eine Frau mit Herz, hat die Lage erkannt, und gemeinsam mit ihren Kindern spontan „Franzbrötchen“ gebacken. Diese schmeckten fabelhaft, und der Ärger über das nasse Heu war wie weggeblasen.

Franz2

Eine Stärkung nach der Heuernte

Was tun Kinder im Hochsommer am liebsten? Natürlich Wasserpritscheln. Unser Weidefass und der Kälber-Nuckeleimer leisten hier wertvolle Dienste. So wie es aussieht wurde gerade ein erfolgreicher Angriff auf die Eltern gestartet.

Wasser pritscheln im Wasserfass und Zapfenkübel

Kinder beim Wasser pritscheln

Opa ist täglich mit seinem Fendt unterwegs. Mal zum Zäune aufstellen für die Kühe, mal zum Grasholen oder Äpfel aufsammeln.

Opa Pflocher mit Wagen schwarz-weiss

Opa Hans beim Grasholen

Hier treffen sich zwei Power-Frauen. Elke Pelz-Thaller, die Mentalbäuerin, erlebten wir bei einer Veranstaltung  Seminare mit Humor . Als kleines Dankeschön überreichte ihr Irmi eine selbstgebastelte Schwemmholz- Deko, deren Zutaten sie leidenschaftlich gerne aus dem Forggensee birgt.

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Elke Pelz-Thaller bekommt von Irmi ein Geschenk

Gemeinsam mit Freunden auf einer Berghütte übernachten. Dieses besondere Erlebnis durften wir heuer geniessen. Auf dem Weg zur Hütte schlichen wir an österreichischen Jungrindern vorbei, die ihre Mittagspause in der Sonne genossen.

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Jungvieh döst auf der Weide

Gewitter reinigen bekanntlich die Luft und sorgen für so ein Postkartenmotiv. Damit so eine Kulisse nicht in Vergessenheit gerät, zückt der Bauer Franz schnell die Kamera.

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Abendstimmung – Blick vom Berghof Kinker

Hier war ich nicht zu beneiden, obwohl  lauter hübsche Damen sich um mich kümmerten 🙂 Bis der Fotograf das passende Foto im Kasten hatte, musste ich einiges erdulden…..

Kinder Sofa Franz kitzeln

Bauer Franz mal richtig durhchkitzeln

Die Verleihung des „Goldenen Gockels 2017“ durch Gerda Walser vomLandesverband Urlaub auf dem Bauernhof und Bayerns Landwirtschaftsminister Helmut Brunner war auch ein herausragendes Erlebnis. Dank unserer treuen Feriengäste, die  den Berghof Kinker und unseren Service in verschiedenen Bewertungsportalen hervorragend bewerteten, durften wir diese Auszeichnung empfangen.
Vielen Dank, liebe Gäste, auch euch gebührt der Dank.

Goldener Gockel

Preisverleihung „Goldener Gockel“

Die Hauswirtschafterei ist ein Team, von engagierten Landfrauen, die auf der Oberlandausstellung in Weilheim einen Burger- Wettbewerb ausrief. Irmi, eine begeisterte Köchin, präsentierte ihren „Wildkräuter-Burger“. Auf´s Siegertreppchen schaffte sie es nicht ganz, aber das Dabeisein war ein schönes, prickelndes Erlebnis, an das sie sich sicherlich gerne erinnert.

Wildkräuter Burger5

Irmi beim Wettbewerb mit ihrem Wildkräuterburger

Mit diesem winterlichen Gruß vom Nikolaus verabschiede ich mich, und wünsche euch allen ein gutes, glückliches und zufriedenes neues Jahr 2018.

Euer Franz

Nikolaus im Schnee

Nikolaus im Schnee


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Terminstreichungsprogramm

 

Nicht mehr lange, dann steht sie vor der Tür: Die Adventszeit, die „Staade Zeit“. Viele Menschen sehnen sich nach Ruhe, Entspannung und Geborgenheit im vertrauten Heim. Doch wie schaut die Realität aus? Lassen wir uns nicht von Kommerz, Weihnachtsfeiern und „oh, das muss ich auch noch vor Weihnachten erledigen“ jagen?
Jeder Vertreter meint, er müsse vor den Festtagen noch den neuesten Firmenkalender oder die übliche Flasche Wein als Aufmerksamkeit vorbeibringen. Das ist ja an sich eine nette Geste, doch wer mit vielen Kunden zu tun hat, der weiß, wie viele Vertreter ins Haus schneien können. Meist entwickelt sich aus dem kurzen Besuch doch ein längeres Gespräch – und wenn es dumm geht, dann wird am Ende sogar noch eine Maschine gekauft.
An sich ist das nichts Verwerfliches, doch es stört einfach die Ruhe und den Frieden, den man sich von der Vorweihnachtszeit erhofft.
Personen, die im öffentlichen Leben engagiert sind, die können ein Lied davon singen, welcher Weihnachtsfeier- Marathon jedes Jahr auf der Agenda steht. Der Schützenverein, der Trachtenverein, die Blumenfreunde – alle sind der Meinung: Ohne eine pompöse Feier mit Festmahl, Glühwein, Plätzchen und Tombola wird es nicht Weihnachten.
Ich versuche einen anderen Weg einzuschlagen. Spontan habe mich dazu entschlossen, rechtzeitig vor Beginn der Adventszeit ein „Terminstreichungsprogramm“ einzuführen.
Alle Termine, die nicht unbedingt zur Erhaltung des Betriebes erforderlich, oder die unliebsam sind, werden gestrichen oder verschoben. Ich sehe nicht ein, warum ich mich hetzen lassen soll, um dann am 24.12. völlig erschöpft auf dem Sofa zu liegen.
Die Winterzeit, speziell die Adventszeit ist auch dazu da, um sich zu erholen. Die unzähligen Arbeiten während des Sommers, die vielen „Überstunden“, die der Bauer und die Bäuerin mitsamt der Familie leisten, die berechtigen sehr wohl, die Sache ein paar Wochen lang geruhsamer anzugehen.

In der Hoffnung, dass mein Programm viele Anhänger findet verbleibe ich als
Euer Franz


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Heute sondiere ich!

Anfang November. Ein grauer, kalter Morgen. Nebelschwaden ziehen umher. Die Stallarbeit ist für´s erste vorbei. Meine Frau, die Irmi und ich, sitzen am Frühstückstisch. So richtig gesprächig ist noch keiner. Es waren ja auch keine besonderen Vorkommnisse im Stall. Nach der ersten Tasse Kaffee erwachen die Lebensgeister. Irmi blickt während der Zeitungslektüre ganz nebensächlich zu mir hinüber und stellt beiläufig die Frage: „Was tust du denn heute so?“
Die Motivation für den heutigen Tag ist nicht die beste. Das habe ich schon beim Aufstehen bemerkt. Allerdings möchte ich mir nicht die Blöße geben, dass ich keinen Bock habe. Nach einer kurzen Denkpause kommt die spontane Antwort: „Heute sondiere ich!“

Irmi hält kurz inne. Ihr erstaunter Blick über den Rand der Zeitung sagt mir, dass sie mit einer so hochqualifizierten, präzisen Erwiderung ihrer Frage nicht gerechnet hat.

Nach meiner Aussage wusste sie zwar genauso viel wie vorher, denn das Wort „Sondieren“ ist ja erst seit kurzer Zeit in aller Munde. Früher, da sondierte keiner, höchstens mal ein Arzt, der an einem Patienten herumstocherte.

Heutzutage sondieren die höchsten Politiker unseres Landes im stillen Kämmerlein, und zwar wochenlang. Keine Tagesschau vergeht, ohne dass nicht davon gesprochen wird. Meist sind die Ergebnisse mager, genauso wie an dem Tag, als ich sondierte.

Wie man richtig sondiert

Meine ersten Schritte nach dem Frühstück führen mich ins Büro. Die E-Mails abfragen, und bei Facebook nachsehen, was draußen in der Welt bei meinen Freunden und Bekannten alles passiert. Ein unliebsames Formular, das ich ausfüllen soll, schiebe ich erst mal zur Seite. Das kann noch warten, und zwar auf den Tag, an dem mein Laune-Pegel wieder am obersten Rand steht. Des Weiteren steht das Markieren eines neugeborenen Kälbchens auf dem Programm, die Klauenpflege einer Kuh, die vermutlich einen kleinen Stein eingetreten hat, die Reparatur eines Stuhles aus der Ferienwohnung und noch viele kleine Arbeiten, die getan werden müssen, von denen man am Ende des Tages aber nichts sieht.

Blickt man abends dann auf den Arbeitstag zurück, dann denkt man sich: Was habe ich heute bloß geschafft?

Eigentlich ist der Begriff „Sondieren“ nichts Neues. Den gab es im Allgäu schon immer. Sondieren heißt bei uns „Stieren“. Ein „Stierer“ ist ein Mensch, der zwar beschäftigt ist, aber dennoch nichts fertig bringt. In jedem Ort gibt es Stierer. Größere und Kleinere. Damit meine ich nicht die körperliche Gestalt, sondern die Intensität, mit der die Betreffenden stieren. Ich persönlich zähle mich zu den eher kleinen, den Gelegenheitsstierern. Zu denen, die mangels vernünftiger Arbeit eine unbedeutende Kleinigkeit in Ordnung bringen, oder etwas aufräumen. Eine Unwichtigkeit, an der man schon oft vorbeigelaufen ist, und sich jedes Mal aufgeregt hat, dass das Teil immer noch defekt ist. Weitere Stierigkeiten sind die Aufträge der Ehefrau. Bei euch ist das sicherlich auch so, dass die „Dätscht du mir mal“- Aufträge der Frau meist ganz hinten auf der Agenda stehen. Wenn diese aufgeschobenen Arbeiten endlich erledigt werden, dann sind das die Momente, in denen dem Eheglück etwas nachgeholfen werden kann. Dazu eignen sich die Tage ganz besonders, an denen man sowieso nichts „gscheides“ zu tun hat.

Eines ist tröstlich und ganz gewiss: Stierer wird es immer geben. Die sterben nicht aus.

Bei der Gelegenheit sollten wir Allgäuer vielleicht ein bisschen umdenken, und unsere Stierer künftig Sondierer nennen. Das klingt viel eleganter. Die Person, die es betrifft, fühlt sich vielleicht sogar geehrt.

Ich jedenfalls sehe meinen Sondierungstag eher gelassen. Wir hatten einen strengen Sommer, es gab viel Arbeit in Haus und Hof. Wenn mal so ein Tag dazwischen ist, an dem man die Zeit nur so verplempert, dann ist das ein Tag für die Seele.