Franz Kinker

Geschichten vom Bio Bauern aus dem Allgäu


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Wie aus „Wilden Kräutern“ leckere Burger werden

Meine Frau, die Irmi, ist eine sehr begnadete Köchin, die leidenschaftlich gerne in ihrer Küche experimentiert. Sie schmökert in unzähligen Kochbüchern, sucht nach Oma´s Rezepten, und wandelt diese zum Teil auf „ihre“ Art und Weise ab. Im Hinterkopf hat sie dabei immer die Absicht, möglichst „gesund“ zu kochen. Ihre Kochbegeisterung konnte Irmi im Jahr 2015 unter Beweis stellen, als sie an der Sendereihe Landfrauenküche des Bayerischen Rundfunks teilnahm.
Ihr Bauerngarten, der sich auf einer sonnigen Anhöhe, direkt am Haus befindet, dient ihr für viele Gerichte als ideale Quelle für die Zutaten.
Eines Morgens las sie in der Tageszeitung, dass Die Hauswirtschafterei auf der Oberlandausstellung in Weilheim ein Wettbewerb um den besten Burger veranstaltet. Da möchte sie dabei sein, tat sie mir Kund, und  gab  Vollgas. Vor dem Wettbewerb wollte sie ihre eigene Burger- Kreation Probekochen, damit bei der Prämierung nichts schiefgeht.
Rings um den Hof suchte sie auf den Wiesen nach Brennnesseln, Gundermann, Spitzwegerich und weiteren Artgenossen. Zum Glück wachsen diese auf unserem Betrieb aufgrund der Biologischen Wirtschaftsweise  in großer Vielzahl, und das Körbchen war schnell gefüllt.
Als es sich bei unseren Gästekindern  herum sprach, dass die Bäuerin noch ein paar Assistenten zum Kneten und Rühren in der Küche benötige, war die Schar gleich zur Stelle und ging voller Eifer ans Werk. Beim Betrachten des bunten Treibens  fiel mir der alte Spruch ein: „Viele Köche verderben den Brei“. Allerdings musste ich mich am Ende eines Besseren belehren lassen: Die Küchencrew machte einen super Job.

 

Kinder Teig kneten

Die Garten- und Wiesenkräuter mussten gewaschen, fein  geschnitten und in den Teig eingearbeitet werden. Das Kneten war dann „Männersache“, wie man auf dem Bild deutlich erkennen kann. Nach dem  Abschmecken mit Gewürzen  ging es mit den Teiglingen ab in den Backofen.

 

Während des Backens der Brötchen kümmerte sich Irmi um das Anbraten der Leberkäs- Scheiben, den Dipp und die Dekoration des Burgers. Der appetitliche Duft, der sich aus der Küche  im ganzen Haus verteilte, verführte mich zu gelegentliche Patrouille -Gängen an die Küchentüre. Als endlich das Signal aus der Küche kam: „Essen ist fertig“ stürzten wir uns hungrig auf die ofenwarmen Burger.
Ein Gedicht, sag ich euch!

Wer mag, der kann von mir das Rezept gerne haben, denn das Gericht ist zur Nachahmung empfohlen.

 

Wildkräuter Ussen- Burger

Wildkräuter Burger

 


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Glücksgefühl – to roll on

Ungefähr im halbjährlichen Rhythmus ereilt mich die freundliche Einladung meiner Frau, sie nach Füssen zum Einkaufen zu begleiten. Wenn ich ihre Worte höre: „Franz, du brauchst a neues Häs“ ( Gewand, in Hochdeutsch) dauert es nicht mehr lange.
Vorige Woche war es dann soweit.
Hochmotiviert und in bester Kauflaune, wohlwissend dass zu Hause ein Haufen Arbeit liegen bleibt, bestieg ich unser Auto und chauffierte meine Frau in die Stadt.
Schon am Ortsschild, die Karawane vor mir betrachtend, beschlich mich die Ahnung: „Bauer Franz, das ist nicht dein Tag.“ Nach unendlichem Suchen erscheint der ersehnte Parkplatz. Natürlich weitab jeglicher Zivilisation. Das heißt Fußmarsch in Richtung Innenstadt. Den Menschenmassen folgend schreiten wir in die Fußgängerzone. Die Unterhaltung beschränkt sich auf das Notwendigste.

Einkaufen ist halt nichts für Männer.

Mein Gesicht erhellt sich erst, als ich die Eisdiele erkenne. Drei Kugeln Eis in der Waffel. Das muss einfach sein, das hebt die Stimmung.
Frisch gestärkt geht es nun von einem Bekleidungsgeschäft ins nächste. Die eine Hose zwickt, die andere ist zu kurz, und dort ist das Hemd zu bunt. Mit großer Geduld und freundlicher Mine präsentiert mir eine nette Verkäuferin im letzten Geschäft ein Häs, das meinen Vorstellungen entspricht. So, das war´s jetzt wieder für ein halbes Jahr, denke ich mir.
Mit vollbepackten Einkaufstüten verlassen wir den Laden in Richtung Drogerie.  Meine Frau ist auf der Suche nach Kosmetikartikeln. Damit die Zeit einigermaßen sinnvoll vergeht, schlendere ich durch die Regale und spähe nach Zahnpasta mit biologischem Hintergrund.

Auf einmal sehe ich das Glücksgefühl

Unscheinbar, versteckt zwischen allerlei Deo´s entdecke ich plötzlich das Glücksgefühl. Ich wundere mich, was die Kosmetikindustrie  alles herstellen kann. Und   so bequem zum Auftragen auf die Haut…. Ich bin begeistert. In dieser Firma müssen schon sehr intelligente Leute arbeiten, die es fertig bringen, das Glück in so eine kleine Glasflaschen abzufüllen. Woher die das wohl zukaufen? Oder stellen die das selber her, so ähnlich wie bei der Homöopathie? Fragen über Fragen.
Mein Entschluss steht aber fest: Das will ich unbedingt probieren. Ob das wirklich hilft, wenn ich mir das Deo unter die Arme schmiere. Ich suche mir einen Tag raus, an dem ich geladen bin. Wenn mich irgendwas besonders ärgert. Und dann geh ich ins Bad und probiere das aus.

Der passende Tag ist gekommen

Es hat zwar eine Weile gedauert, aber irgendwann war er da. Der Tag, an dem alles schief ging, was schiefgehen konnte. Irgendwann  erinnerte ich mich an mein Glücksgefühl, das so einsam im Badschrank stand, und das ich doch ausprobieren wollte.
Missmutig stiefelte ich ins Bad und forschte nach dem Deo Fläschchen. Oberkörper frei, und los geht’s. Jetzt nicht sparen, denn viel hilft ja bekanntlich viel.

Wie die Geschichte ausgegangen ist, das kann ich euch noch nicht berichten.
Ich  vermute, das dauert eine Weile, bis das Glücksgefühl wirkt. Inkubationszeit heißt das, soweit ich mich erinnern kann.
Meine Frau hat mich dann im Bad stehen sehen, mir ins Gesicht gesehen und gemeint:
„Franz, komm zu mir in die Küche, trinken wir an Kaffee und essen einen Faschingskrapfen. Dann sieht die Welt wieder anders aus.“

Und da war es, das Glücksgefühl……….

 

 

 

 


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Mein Schreiben an unseren Milcheinkäufer

Sehr geehrter Milcheinkäufer der Molkerei ……

mit diesem Schreiben wende ich mich an Sie, um mich über den künftigen Milchpreis zu informieren und deutlich darauf hinzuweisen, dass es mit dem aktuellen Milchpreis so nicht weitergehen kann.
Fakt ist, dass unsere Betriebskosten in letzter Zeit enorm gestiegen sind. Wir bezahlen für Diesel aufgrund Rohstoffsteigerungen und CO2 Steuer erheblich mehr als im Vorjahr.
Die Kosten für Baumaterial sind teils um 30 % gestiegen. Kraftfutter ist teurer geworden, und die Inflation schreitet auch voran.
Aufgrund der Vorgaben der Düngeverordnung sind wir gezwungen in teure Gülletechnik zu investieren.

Dies sind nur einige Beispiele die verdeutlichen, dass die Kostenbelastung in der Milcherzeugung immer höher wird.

Mit einem Milchpreis, der auf der Stelle tritt, und sich kaum nach oben bewegt, geht es so für uns nicht weiter.

Um wirtschaftlich zu arbeiten bräuchten wir einen Bio-Milchpreis von über 60 Cent/kg. Das sind Ergebnisse von Berechnungen, die man der Fachpresse entnehmen kann.

Davon sind wir weit entfernt.

Wenn wir unsere Betriebe in die Zukunft führen und einem Nachfolger(in) die Hofübernahme schmackhaft machen wollen, dann brauchen wir einen Betrieb, der wirtschaftlich gut dasteht, und nicht nur vor sich hinvegetiert. Sonst wandern die Jungen ab in die Industrie…..

Unser Sohn, der sogar den Meisterbrief als Öko-Landwirt in der Tasche hat, ist diesen Weg schon gegangen.

Und ich kann Ihnen sagen: Ich finde seine Entscheidung richtig.

Die derzeitige Lage dürfte es der Molkerei erlauben, hier ein deutliches Signal für einen höheren Milchpreis zu geben und zeitnah umzusetzen.

Sonst ist auch auf dem Berghof Kinker, wie auf vielen anderen Milchviehbetrieben, der letzte Tropfen Milch irgendwann gemolken.

Grüsse vom Bauer Franz Kinker


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Kälberkuscheln- ein Trend, den noch keiner kennt……

Darf ich mich kurz vorstellen? Ich bin Gisi, das kleinste und wohl auch das hübscheste Kälbchen im Stall von Bauer Franz.
Ich wohne in Ussenburg auf dem Berghof Kinker. Gemeinsam mit ein paar anderen Mädels teile ich mir eine Gruppenboxe, die mit frischem Stroh eingestreut ist.
Das kleinste Kälbchen bin ich deswegen, weil ich auch das Jüngste bin. Am 25.11.2019 bin ich auf die Welt gekommen. Meine Eltern heißen Gabi und Verdi. Den Papa kenne ich leider nicht, denn ich entstamme einer künstlichen Befruchtung. Das ist mittlerweile üblich in der Rinderhaltung. Vom Bauern habe ich mir sagen lassen, dass es ihm zu gefährlich sei, einen Stier im Stall zu halten. Gut, das muss ich dann so akzeptieren. Ich find das auch nicht weiter tragisch, dass ich meinen Papa nicht kenne. Ich habe ja noch meine Mutter Gabi, die ich jeden Tag sehe.
Außerdem fühle ich mich pudelwohl unter meinen Mädels. Wir haben einen eigenen Bereich, in dem uns keiner stört. Wir können frei herumhüpfen, warme Milch trinken, ins Stroh kuscheln, vor uns hindösen, und uns auch mal in der Hütte verstecken, wenn wir keinen Bock auf Menschen haben.

Dass ich das hübscheste Kälbchen im Stall bin, das habe ich ja schon erwähnt. Ich merke das daran, dass die Feriengäste auf dem Hof immer zu mir kommen und mich streicheln wollen. Besonders oft stehen Kinder am Gatter und reichen mir die Hände, um über mein weiches Fell zu streichen.

Sind es meine langen Wimpern, die großen Kulleraugen oder die feuchte Nase die mich so attraktiv machen? Ich weiß es nicht. Ist mir auch egal. Hauptsache ich habe ein wenig Unterhaltung und Abwechslung. An manchen Tagen wäre es doch etwas langweilig, wenn wir keinen Besuch hätten. Das Streicheln tut mir ja auch gut und ich merke, dass die Kinder und die Erwachsenen mich jedes Mal anlächeln, wenn sie mich sehen. Wenn junge Mädchen mit mir kuscheln, dann kichern sie meist. Was es da zu kichern gibt, verstehe ich nicht ganz. Ich führe es darauf zurück, dass die Girls generell kichern, und es nicht unbedingt mit mir was zu tun hat.

Dass ich bei den Feriengästen so beliebt bin, das ist meinem Bauern Franz auch nicht entgangen. Es hat ihn anscheinend auf eine Idee gebracht. Er bietet jetzt „Kälberkuscheln“ an. Dafür hat er sich extra eine große Hütte gekauft, ganz modern und chic. In weiß das Ganze. Als ich das zum ersten mal sah, war ich schwer beeindruckt!
Da hat er wieder mal nicht gespart, der Bauer.
Jetzt muss ich euch aber dringend erzählen, wie das Kälberkuscheln so abläuft: Der Bauer Franz hat der Schar von Kindern zuerst erklärt, dass sie mit mir vorsichtig umgehen, Ruhe bewahren, und sich Zeit lassen sollen. Kein Geschrei und keine hektischen Bewegungen sollen mich erschrecken. Die Kinder haben die Hinweise verstanden und eines davon, vermutlich war es das Stärkste, durfte mir ein Halfter anlegen. Das war zwar ein Fohlenhalfter, aber ich nehme das nicht so genau.

Bevor es losging reichte Franz einem Mädchen eine feine Bürste. Liebevoll kämmten die Kinder abwechslungsweise mein Fell. Immer schön mit dem Strich. Stundenlang könnte ich mich hinstellen und mich bürsten lassen……

Mit einer speziellen Bürste dürfen die Kinder das Kälbchen kämmen

Innerlich war ich aber ehrlich gesagt schon ganz aufgeregt! Bisher waren nur die Bäuerin Irmi und der Bauer Franz bei mir im Stall zum Ausmisten und Einstreuen. Jetzt auf einmal eine Schar Kinder! Die Jugendlichen öffneten plötzlich das Gatter und ich durfte hinaus in die Freiheit. Vor Freude hüpfte ich im Kreis umher! Mein „Cowboy“ konnte mich kaum bändigen. Ihm kamen die anderen Kinder zu Hilfe, hielten gemeinsam das lange Seil fest, und als mir dann schwindlig wurde und die Puste ausging, hastete ich den Kindern einfach hinterher. Wir liefen ein Stück über den Hof und zielten in die edle, weiße Hütte, von der ich euch schon erzählt hatte. Dort hat der Bauer Franz ganz dick Stroh eingestreut und alles für das Kälberkuscheln vorbereitet. Ganz wichtig sei, so hat er berichtet, dass man hier ganz ungestört mit mir kuscheln und schmusen darf. Keiner soll uns ablenken. Auch ich war gespannt, wie das Experiment für mich hinausgeht. So nah war ich den Menschen noch nie!

Als mein Puls sich nach der letzten Aufregung beruhigte fing ich an, das Mädchen, das mich jetzt am Halfter hielt, mit meiner feuchten Nase zu beschnuppern. Interessant, wie sie roch und was sie für salzige Hände hatte. An diesen durfte ich lecken. Und weil ich ja eine freche Göre bin, habe ich ihr auch mal mit meiner rauen Zunge ins Gesicht geleckt. Als sie daraufhin ein lautes iiiiiiii hinausschrie, bin ich erschrocken! Ich hätte nicht gedacht, dass Mädchen so empfindlich sein können. Es dauerte eine Weile, bis wir zwei uns wieder beruhigt hatten. Als das Mädchen mir mit seiner Hand sanft über den Kopf und den Körper strich, hat sich meine Nervosität gelegt.  Sie begriff, dass sie mich erschreckt hat, und dass dieses Gekreische völlig fehl am Platze war.  Wir zwei ließen uns Zeit, und ganz langsam schenkte ich ihr mein Vertrauen.

Durch das Rumgehopse an der langen Leine war ich ehrlich gesagt schon etwas müde und ich beschloss, mich ins weiche Stroh zu legen. Das Mädchen nutzte die Gelegenheit und wir kamen uns näher. Ganz eng kuschelte sie sich an mich heran und begann mit ihren Händen sanft über mein Fell zu streichen. Oh wie gut das tat! Ich schloss meine Augen, atmete ganz sanft und träumte von einer großen Weide, saftigem Gras, wogenden Ähren und vielen Kälbchen um mich herum. Ich träumte so vor mich hin und vergaß ganz die Zeit. Dem Mädchen ging es ebenso. Sie legte sich mit ihrem Körper ganz nah an mich heran und genoss die Wärme und das langsame Atmen.
Während ich so vor mich hindöste bemerkte ich gar nicht, dass das Mädchen aus dem Iglu schlich, und sich ihre Mutter zu mir legte.

Hier gibt es ganz viel Zärtlichkeit beim Kälberkuscheln

Die Mutter näherte sich so vorsichtig, dass ich es kaum bemerkte. Ich zwinkerte nur aus den Augenwinkeln und dachte mir: ja nicht bewegen! Wer weiß, wenn ich die Frau erschrecke verschwindet sie vielleicht wieder und ich liege wieder alleine im Stroh. Jetzt wo es gerade so schön ist…..

Leute, ganz im Vertrauen: Ich glaub der Bauer Franz kommt mit seiner Idee ganz groß raus. Wisst ihr warum? Weil er den Nerv der Zeit trifft. Die Menschen werden immer verplanter, unruhiger, sind gestresst und unausgeglichen. Alles geht ihnen auf die Nerven und das Wichtige im Leben, die Liebe, verlieren sie aus den Augen.
Die Idee von Bauer Franz wirkt hier wahre Wunder. Eine Stunde Kälberkuscheln mit mir im Iglu, und die Welt ist wieder in Ordnung. So einfach ist das.
Ganz am Schluss möchte ich euch noch was verraten: Mir hat es auch unheimlich gutgetan, die Nähe der Menschen zu spüren. Ich hoffe, dass bald wieder welche kommen und an mir rumkuscheln…. Und hier noch ein Feedback von Charly, die das Kälberkuscheln ausprobiert hat:

 „Wir haben uns sofort wohlgefühlt. Irmi und Franz sind super Gastgeber❤️ nicht nur die tolle Aussicht auf den Forggensee und die Schlösser sind traumhaft. Wir waren jeden Abend im Stall und haben geholfen die Kühe zu versorgen. Man wird total miteingebunden auch Kinder, Kälber tränken, Trecker fahren Kühe versorgen. Die 2 lieben ihren Beruf und gehen so toll mit ihren ieren um, dass spürt man total. Mein besonderes Highlight war, daß ich mit dem Kälbchen Gabi kuscheln durfte. Wir haben eine kleine Box mit Stroh vorbereitet und dann habe ich mich ganz langsam angenähert. Franz war immer dabei, hat mich aber ganz selbstständig auf das Kälbchen zugehen lassen. Nach kurzer Zeit hatte Gabi Vertrauen und hat los gekuschelt. Ein tolles und einzigartiges Erlebnis, was ich nie vergessen werde 🐄❤️ Man könnte noch so viel schreiben, es war vom Anfang bis Ende ein wunderbarer Urlaub und werden definitiv wiederkommen.


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Wenn die Schumpen durchbrennen

Schumpen treiben

Ein sonniger Herbsttag im beschaulichen Allgäu. Das Auge streift über saftig grüne Wiesen. Hier und dort sieht man Rinder auf den Weiden. Ein nicht mehr alltägliches Bild, denn Tiere auf Weiden zu halten ist mit einem gewissen Aufwand verbunden, den sich viele Landwirte heutzutage nicht mehr antun wollen.

Vorsicht: Kühe auf Weiden
In unserem kleinen Ort ist die Welt allerdings noch in Ordnung. Trotz Strukturwandel sind in unserer Nachbarschaft noch ein paar Bauern verblieben, die sich leidenschaftlich um ihre Rinder kümmern. Sie kennen jede Kuh beim Namen und nehmen den Mehraufwand gerne in Kauf, wenn sie ihre Rinder täglich auf die Weide treiben, oder das Jungvieh auf der Sommerweide älpen, wie man bei uns sagt.
Als gewissenhafter Bauer schaut man täglich zu seinen Tieren. Es könnte ja sein, dass der Zaun beschädigt ist, jemand das Gatter nicht geschlossen hat, das Tränkewasser im Weidefass leer ist, oder eine Kuh unerwartet gekalbt hat.

Die Teenager unter den Rindern
Wie gewohnt startete ich nach dem Mittagessen mit meinem historischen Traktor zur täglichen Kontrollfahrt hinunter auf die Weide zu meinen Kühen und den „Schumpen“. Den Begriff „Schumpen“ sollte ich vielleicht für landwirtschaftsfremde Personen noch erklären: Schumpen, so werden bei uns im Allgäu die Jungrinder genannt. Das sind die „Teenager“ unter den Rindern. Also keine Schmusekälber mehr, und auch keine geruhsamen Kühe. Wer schon mal mit pubertierenden Kindern zu tun hatte, der weiß wovon ich spreche. Schumpen sind neugierig, impulsiv und ständig darauf bedacht, die Umgebung zu erkunden oder Blödsinn zu machen.
Nichtsahnend will ich mit meinem Trecker an der Weggabelung die Abzweigung auf den Feldweg nehmen, als ich meinen Feld-Nachbarn Georg mit hochrotem Kopf und hohen Gummistiefeln auf seiner Weide hin und her rennen sehe. Georg, auch Schorsch genannt,  ist Junggeselle und lebt alleine auf seinem Hof. Ihr könnt euch sicher vorstellen was es heisst, rebellische, entlaufene Rinder (oder noch schlimmer Schumpen) alleine zu fangen. Das ist ein Ding der Unmöglichkeit. Wem das gelingt, der hat entweder riesen Glück oder ist ein  „Kuhversteher.“

Man hilft sich
Dass man sich in so einer Situation hilft, ist mehr als selbstverständlich. In entlegenen Ortschaften wie bei uns, ist man auf Nachbarschaftshilfe angewiesen. Das ist Ehrensache.
Mein erster Blick auf die Situation sagt mir, dass der Zaun defekt ist, ein paar von Schorsch´s Rindern abgehauen sind, und der Schorsch nun verzweifelt versucht, die verbleibenden Rinder auch nicht noch ausbüchsen zu lassen.
Für mich war in diesem Moment klar, dass hier noch mehr Man- oder Frauenpower gefragt ist. Wir zwei unsportlichen Mittfünfziger halten die aufgebrachten Rinder unmöglich in Schach! Zum Glück hatte ich mein ausnahmsweise aufgeladenes Handy dabei, und zum grösseren Glück hat meine Frau das Klingeln des Telefons zuhause auch noch gehört.
Ich habe ihr sofort klar gemacht, dass sie ihre Teller und Töpfe stehen lassen soll, ein paar lange Hirtenstöcke mitnehmen möchte, und jeden, den sie auf dem Weg trifft dazu auffordert, uns zwei auf der Weide zu helfen.
Genauso nichtsahnend wie ich, fuhr der „Froosch“ mit seinem Traktor an unserem Hof vorbei. Der „Froosch“ ist ein Klassenkamerad vom Georg und mir aus der Grundschulzeit. Ebenfalls ein Junggeselle. Eigentlich heißt er ja Heinz. Aber der Name Froosch passt viel besser zu ihm. Und jeder aus dem Dorf weiß, wer damit gemeint ist.

Stramme Frooschschenkel
Als Irmi den Froosch mit seinem Traktor herannahen sah, stoppte sie ihn und berichtete von dem Missgeschick der entlaufenen Schumpen. Die Mine des Froosches verfinsterte sich deutlich, denn mit schnellen Bewegungen, die hier erforderlich waren, hatte er sich noch nie anfreunden können. Das weiß ich noch vom Sportunterricht. Zudem trug er ebenfalls kniehohe Gummistiefel, wie der Schorsch, allerdings waren seine leuchtend Gelb. Der Einzige, der einigermaßen vom Fleck kam war ich, denn meine Arbeitsschuhe hinderten mich nicht zu sehr bei meinen mehr oder weniger athletischen Bewegungen.
Als die Hilfsmannschaft auf der Weide vollzählig war, galt es zunächst die verbliebenen Rinder in ein Weideabteil zu treiben, in dem der Zaun noch unbeschädigt war. Dies gelang uns beizeiten, und so machten wir uns auf die Suche nach dem Rest der Herde. „Drei Stück fehlen“, sagte der Schorsch kurzatmig. Mehr nicht, denn mittlerweile fehlte ihm die Puste.

Wie die alten Indianer
Mehr an Information war auch nicht nötig, denn jetzt galt es die Fußspuren der Hufe im Gras zu verfolgen, und den Ausbrechern auf den Fersen zu bleiben.
Viel Zeit zur Fährtensuche blieb uns nicht, denn von Weitem hörte man es deutlich krachen: Die drei Tiere sprangen in ihrer Panik durch den Zaun der Nachbarweide. Das laute Krachen kam vom Bersten der Zaunpfähle. Was aufs Erste nichts Gutes verhieß, führte uns aber direkt zu den Ausbrechern. Wir brauchten nur dem Geräusch zu folgen. Die Vorstellung, dass wir ruhig auf die Tiere zugehen, mit ihnen reden, und dazu bewegen, in Richtung Heimatweide zu gehen, wurde schnell zunichte gemacht: Als wir den Tieren näher kamen reckten sie ihre Köpfe in die Höhe, die Schwänze auch, und im Galopp rannten sie in den nahen Wald! So schnell konnten wir gar nicht schauen, geschweige hinterherlaufen. Erst musste ja der Zaun wieder notdürftig geflickt werden, um nicht noch mehr Ausbrechern hinterherzurennen.
Das Feld der Verfolger hat sich mittlerweile in die Länge gestreckt. Ich als der Arbeitsschuh- Läufer vorneweg, Irmi schnaufend hinter mir, Schorsch mit den grünen Stiefeln im Mittelfeld und der Froosch fluchend hinterher. Die Ausdrücke die hier gefallen sind, darf ich hier gar nicht nennen: Es handelte sich um spezielle Allgäuer Kraftausdrücke, die sicher nicht jugendfrei wären.

Wo sind die Glocken?!
Vom Froosch kam jetzt auch der berechtigte Kommentar: „Warum haben denn die keine Glocken?“ Zefix nochmal! Grad jetzt wären die so wichtig, denn dann könnte man die Schumpen im Unterholz hören!
Mittlerweile war es kurz vor der Stallzeit. Jeder von uns sollte seine Kühe melken. Uns war aber auch klar, dass wir alleine die Wildgewordenen nicht bändigen konnten. So entschied sich Schorsch unseren Jäger anzurufen, damit er mit dem Betäubungsgewehr beim nächsten Sichtkontakt zumindest mal eines der Rinder in einen vorübergehenden Schlaf versetzt. Vielleicht blieben die anderen zwei dann bei dem Schlafenden? Rinder sind ja bekanntermaßen Herdentiere … Wer weiß? Wir wussten uns in dieser Situation keinen besseren Rat.
Der Jäger kam auch unvermittelt, lud sein Gewehr mit Betäubungsmittel, ging in Position und wartete. Im dichten Unterholz rührte sich nichts mehr. Das Schweigen im Walde. Man hätte meinen können, die Schumpen versteckten sich absichtlich und grinsten sich eines.
Mehr oder weniger ratlos blickten wir in Richtung des Waldes und nutzten die Verschnaufpause für eine Beratung über die weitere Vorgehensweise. Resigniert kamen wir zu dem Ergebnis, dass es am Klügsten wäre, die Suche kurzfristig abzublasen.
Es drängte auch die Zeit. Daheim mussten die Kühe gemolken werden. Der Jäger entlud sein Gewehr und rückte mürrisch und unverrichteter Dinge wieder ab. Wir vereinbarten, uns nach der Stallarbeit wieder am Nachbarhof zu treffen, und die Suche fortzusetzen.

Melken als Inspirationsquelle
Während des Melkens überlegte jeder von uns eine neue Strategie, wie wir die entlaufenen Tiere einfangen konnten. Lange durften wir nicht mehr herum fackeln. Wenn es dunkel wurde, hatten wir verspielt. Die Gefahr bestand ja nicht nur darin, dass sich die Rinder noch weiter von ihrer Herde entfernten, sondern dass sie auf eine der vielbefahrenen Straßen liefen. Bei Dunkelheit ist das der Super-Gau. Gar nicht auszumalen, sollte dies passieren …
In Windeseile wurden die Kühe gemolken und gefüttert. Pünktlich war die Mannschaft wieder auf dem Hof des anderen Nachbarn, der übrigens „Schnuggi“ genannt wird, versammelt. Von dort hatte man einen guten Überblick auf das Waldstück, in dem wir die Ausbrecher vermuteten.

Auf den Hund gekommen
Plötzlich hörten wir ein lautes Bellen aus dem Wald. Wie sich später herausstellte streunte Schnuggis gut erzogener Hofhund durch die Gegend und bemerkte anscheinend die drei Rinder. Es dauerte auch nicht lange, da stoben die drei schon aus dem Dickicht. Der Hund hächelnd hinterher. Er trieb die Schumpen geradewegs auf uns zu! Schnuggi reagierte spontan und öffnete die Türe eines Stalles, der gerade nicht belegt war. Erstaunlicherweise erforderte es nur mehr geringe Anstrengungen, die schwitzenden Rinder in den Stall zu treiben. Ich vermute, denen war der Tag einfach zu anstrengend, und sie hatten genug von ihrem Erkundungstrip. Als die Tiere im Stall befestigt waren, begann auch für uns das grosse Verschnaufen. Erst mal tief Luft holen und dankbar sein, dass die Odyssee ein Ende gefunden hat.

Hausarrest und Brotzeit
Schorsch brachte anschließend seinen Viehwagen, in den wir die Rinder verluden. Auf die Weide kamen die drei aber ein paar Tage nicht. Davon konnten sie nur träumen. Sie sollten sich erst im Stall beruhigen und ein bißchen über ihr Verhalten nachgrübeln …
So wie im wahren Leben hat die Geschichte auch ein Happy End. Der Schorsch lud uns alle auf eine deftige Helferbrotzeit ein, und Schnuggis Hofhund bekam eine grosse Dose Hundefutter und einen Knochen zur Belohnung.


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Greenwashing, mit dem Feinwaschmittel von Bioland

Bioland kooperiert mit Lidl. Ist das sinnvoll oder ein Schlag ins Gesicht aller Biobauern?

Die Bio-Szene fristete lange Zeit ein stiefmütterliches Dasein. Doch jetzt kommt Bewegung in die Branche. Bio ist mittlerweile in aller Munde. Wer es sich leisten kann, kauft Bio-Produkte, und tut sich und der Umwelt damit etwas Gutes.
Die Landwirte profitieren von dieser positiven Entwicklung. In der Regel haben sie eine höhere Wertschöpfung, und damit verbunden ein höheres Einkommen.

Landwirte als Vorreiter in Sachen Bio

Um Bäuerinnen und Bauern zu informieren, laden die einzelnen Bio-Verbände ihre Mitglieder regelmäßig zu Versammlungen ein. Man trifft sich in einem Gasthaus und hört sich zum Beispiel die Vorträge über Bo-den- und Tiergesundheit an. Außerdem erfährt man hier das Neueste vom Milchmarkt, und ist mehr oder weniger erfreut, wenn neue Vorschriften präsentiert werden. Zum Glück folgt danach der gemütliche Teil der Veranstaltung. Die Geselligkeit, für die wir Allgäuer bekannt sind, kommt also nicht zu kurz. Die Abende verlaufen in der Regel unspektakulär. Wenn sich die Bauern schon mal treffen, dann ausführlich. Es dauert meist bis spät in die Nacht, bis der letzte den Saal verlässt.

Und jetzt stört Lidl die Gemütlichkeit

Seit kurzer Zeit macht jedoch ein Thema die Runde, das den Saal erhitzt und so gar nicht zur Allgäuer Gemütlichkeit passen will. Es ist die Schlagzeile des Jahres 2019: Der Discounter „Lidl“ geht eine strategische Partnerschaft mit dem Öko- Verband „Bioland“ ein. Was für eine Sensation! Ein Global Player, der bislang ständig auf der Suche war nach den günstigen Einkaufsmöglichkeiten. Einer, der knallhart kalkuliert, sich Rabattschlachten liefert, und der den Erzeugern die Preise diktiert. Dieser füllt künftig einen Teil seiner Regale mit zertifizierten Premium-Bio Produkten.

Warum bandelt Bioland mit Lidl an?


Was mag einen so mächtigen Bioverband bewogen haben, sich mit einem No-Name-Händler zu verbünden? Sind die klassischen Absatzwege nicht mehr gut genug? Bislang wurden Bio-Markenartikel überwiegend vom Naturkosthandel, Reformhäusern, Hofläden, regionalen Märkten, und ab und zu von größeren Handelsketten vertrieben. Die Ladenbesitzer haben mit viel Engagement und Herzblut ihren treuen Kundenstamm aufgebaut und so manche Durststrecke durchgehalten. Auf Wochenmärkten, Hoffesten und Infoständen pflegte man die Kundenbeziehung und klärte Fragen der Konsumenten im direkten Gespräch. Der Kunde schätzte diese Serviceleistung. Gerade in der heutigen Zeit, in der viel online gekauft wird, sind Freundlichkeit und persönliche Beratung etwas Besonderes. Gibt es das bei einem Discounter wie Lidl? Hier muss Ware übers Band, und zwar möglichst viel und schnell. Die Mitarbeiterinnen werden diesbezüglich getrimmt. Wer als Kassiererin die Leistung nicht bringt, hat die längste Zeit in diesem Unternehmen gearbeitet.

Verdrängt Lidl die Bioläden?

Jetzt kommt der Moment, wo bei mir und vielen meiner Kollegen die Alarmglocken klingeln: Ich denke, es geht Lidl nicht nur um Image-Steigerung und Greenwashing, sondern um knallharten Verdrängungswettbewerb. Die Lidl-Kundschaft wird das Bio-Angebot des Discounters mit Handkuss annehmen und die Kassen werden noch besser klingeln als bisher. Und was geschieht mit all denjenigen, die mühsam ihren kleinen Bio-Laden aufgebaut haben? Die werden am Ende den Kürzeren ziehen. Sind wir mal gespannt, wie viele die Expansion von Lidl überleben. Bei den Landwirten wird es ähnlich aussehen. Da bin ich mir ziemlich sicher, dass ich jetzt schon weiß, wer bei diesem Deal am Ende den größten Nutzen daraus zieht. Derjenige, der täglich frühmorgens um 5 Uhr aufsteht, und zweimal am Tag die Kühe melkt, gewiss nicht….

Unser Appell an die Verbände

Meine Kollegen und ich, die auf nachhaltige Landwirtschaft und echtes Bio setzen, appellieren an die Verbände: Macht keine Schnellschüsse und denkt zuerst nach: Warum muss man mit aller Gewalt in Vertriebsschienen gehen, deren Prinzipien nichts, aber auch gar nichts mit Nachhaltigkeit, Service und dem Prinzip „Leben und leben lassen“ zu tun haben? Der Bio-Markt ist ein sensibler Bereich. Um die höheren Produktpreise zu halten, auf die wir Landwirte dringend angewiesen sind, müssen Angebot und Nachfrage möglichst im Einklang stehen. Wir Landwirte fordern daher von unseren Anbauverbänden: Lasst Bio- Markenware nicht zur Massenware verkommen, und sucht euch Partner, deren Herz auch Bio schlägt!
Euer Bauer Franz





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Feinstaubfrei, das neue Vegan……

 

In bedenklicher Häufigkeit prasseln in letzter Zeit Hiobsbotschaften auf uns Landwirte herein, die uns Sorgenfalten auf der Stirn bereiten. Fast jede Woche wird eine neue Sau durchs Dorf getrieben. Und das, obwohl die Sau der vergangenen Woche noch immer durchs Dorf schleicht…
Die Themen Glyphosat, Tierwohl, Verbot der Anbindehaltung, Nitrat im Grundwasser, Antibiotikaeinsatz und Ferkelkastration geistern immer noch durch den Raum, werden aber momentan vom vieldiskutierten Bayerischen Volksbegehren  „Artenschutz“ überlagert.
Wir Bauern sind es mittlerweile schon gewohnt, dass wir mitten in der Öffentlichkeit stehen, und dass mit uns teilweise mit harten Bandagen gekämpft wird.
Völlig geschockt war ich dennoch, als ich von der bislang nicht veröffentlichten Studie des renommierten Max Planck Institutes erfuhr. Behaupten hier die Forscher doch tatsächlich, dass die Landwirtschaft zu 45% für die gesamten Feinstaubemissionen verantwortlich ist, und dass aufgrund dieser Belastung jährlich 120.000 Menschen vorzeitig ihr Leben verlieren. Mehr, als durch das Rauchen. 
Wir Bauern, die eigentlich dazu da sind, die Menschen mit guten, gesunden Nahrungsmitteln zu ernähren, stehen plötzlich da, als wären wir Kriminelle.
Berichte über diese Studie liefen im sogar im Fernsehen in der Sendung „Monitor“.
Wenn ich die Beiträge in den Medien verfolge, mache ich mir sehr wohl Gedanken über meine Zukunft. Bin ich mit meiner Landwirtschaft auf dem richtigen Weg? Soll ich überhaupt noch in diesen Betrieb investieren, wenn uns ständig neue Konfrontationen und Auflagen erwarten, die uns das Leben schwer machen? Arbeiten wir völlig an den Wünschen unserer Kunden vorbei?  Was erwarten die Konsumenten von uns? Das frage ich mich des Öfteren. Anscheinend ist das Vertrauen in uns Landwirte erheblich gestört.
Wir füttern unsere Tiere gentechnikfrei, düngen nach Plan, dokumentieren bis zum Geht nicht mehr, und lassen strenge Kontrollen über uns ergehen. Doch diese Auflagen und noch viele weitere scheinen  nicht auszureichen.  Immer mehr Personen und Institutionen mischen sich in das Thema „Landwirtschaft“ ein. Sie kennen sich angeblich bestens aus. Sie  wollen mitreden,  mitentscheiden, und verändern.  Vielleicht täusche ich mich. Ich vermute aber, dass dieser Personenkreis deswegen so erfolgreich ist, weil von uns Bauern wenig Widerstand zu erwarten ist.  
Ich jedenfalls gebe nicht klein bei. Immer wieder mache ich mir Gedanken, wie ich meinen Kunden genau die  Produkte liefern kann, die sie von mir erwarten. Generell sollten wir Landwirte viel öfter unsere Fühler ausstrecken, Trends erkennen, und den Puls der Zeit fühlen.  
Kennt ihr das chinesische Sprichwort? „Wenn der  Wind des Wandels weht, bauen die einen Mauern, die anderen Windmühlen“.
Dieser Spruch hat mich auf folgende Idee gebracht:
Ich produziere  Feinstaubfreie Milch. 
Mal schauen, ob ich in dem Max Planck Institut einen Mitarbeiter finde, der mir bestätigt, dass in meiner Kuhmilch kein Feinstaub ist.  Wenn das funktioniert, dann hab ich die Marktlücke des Lebens entdeckt. Ich erwarte, dass diese Marke einschlägt wie damals die vegane Bewegung.  Wenn im Sommer dann die Stechfliegen während des Melkens auf den Kühen sitzen,  dann mache ich ein Foto und klebe es auf jede Milchpackung. Dann hab ich gleich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen, denn Artenreichtum liegt ja auch im Trend.


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Ein ganz heißes Thema

Es ist Sommer in Deutschland. Ein Tag heißer als der andere. Der Norden unserer Republik leidet schon seit längerer Zeit unter extremer Trockenheit, hier bei uns im Süden waren die Verhältnisse bislang noch erträglich.
Die Folge des Wassermangels sind erhebliche Ernteausfälle und enorme Kosten, um zum Beispiel den Tieren das nötige Wasser, und das Futter zu beschaffen. Viele Betriebe füttern schon jetzt ihre Vorräte, die für den Winter eingelagert waren, und verkaufen aus der Not heraus einen Teil ihrer Rinder. Sorgenvoll blicken sie in die Zukunft.

Sofortige Hilfe

Diese Situation hatten wir gottlob schon länger nicht mehr, aber der Klimawandel macht auf sich aufmerksam, und fordert seinen Tribut.
Verständlich, dass der Bauernverband die Lage seiner Bauern erkennt, und ein sofortiges Hilfspaket fordert. Mit einer Milliarde Euro soll betroffenen Landwirten unter die Arme gegriffen werden. Eine Menge Geld. Auf den ersten Blick erscheint diese Hilfe- sofern sie überhaupt bewilligt wird – die Notlage zu lindern. Aber wie kommt diese Aktion bei den  Konsumenten an? Werden diese nicht argumentieren: „Jetzt bekommen die Bauern schon wieder Geld? Die brauchen nur zu jammern, und schon wird denen geholfen!“
Ich kann Menschen verstehen, die so denken. Aus meiner Lebenserfahrung heraus kann ich auch beurteilen, dass es bei so überstürzten Hilfsprogrammen meist zu Ungerechtigkeiten bei der Verteilung der Gelder kommt. Irgendwelche Schlaufüchse holen sich die großen Kuchenstücke vom Tablett, und der Rest muss sich mit den Krümeln begnügen.

Die freie Marktwirtschaft

Wir Bauern sind doch längst in der freien Marktwirtschaft angekommen. Hier regeln Angebot und Nachfrage den Preis. Diese Trockenheit ist ein europäisches Problem, kein regionales. Wenn Produkte auf dem Markt fehlen, dann lassen sich diese nicht so einfach von wo anders her einführen. Das Angebot wird knapp, und der Preis steigt unwillkürlich.
Warum lassen wir nicht einfach den Markt spielen? Mir persönlich wäre ein höherer Produktpreis wesentlich lieber als das beklemmende Gefühl, wieder mal Bittsteller gewesen zu sein.

Zu schade für die Mülltonne

Der angenehme Charme dieser Methode wäre, dass die Wertschätzung für die von uns erzeugten Produkte steigt. Ich bin immer wieder verärgert, wenn ich bei unseren Feriengästen sehe, wie viele  Lebensmittel, denen gar nichts fehlt, im Kompost oder gar im Restmüll landen. Einmal reingebissen, festgestellt, dass es nicht schmeckt, und sofort in den Mülleimer. Leute so geht das nicht. Kauft bewusster ein, am besten regional oder bio und schaut, dass die Produkte komplett verspeist werden.
Meine Frau hat das Kochen und das Haushalten  von der Pike auf gelernt. Fertigprodukte gibt es bei uns in den seltensten Fällen, außer mal eine Pizza bei der Ernte, wenn niemand Zeit zum Kochen hat. Ich bin vehement dafür, dass schon bei der Kindererziehung, und später in der Schulausbildung mehr Wert auf die Themen Essenszubereitung und Haushaltsführung gelegt wird.

Geld löst nicht alle Probleme

Mit Geld werden die Regale in den Supermärkten auch nicht voller. Dies muss uns klar werden. Das was wir brauchen, sind ein gewisses Umdenken und ein konsequentes Handeln. Ein verantwortungsbewusster Umgang mit der Ressource Wasser, weniger Bodendruck durch schwere Maschinen auf den Äckern, mehr Einsatz von organischen Düngern zur Förderung einer krümeligen Bodenstruktur, angepasste Fruchtfolgen, und eine Unkrautbekämpfung, bei der wieder mehr gehackt als gespritzt wird.
Dass diese Maßnahmen nicht der alleinige Schlüssel zum Erfolg sein werden, leuchtet mir auch ein. Wenn wir kommende Dürreperioden einigermaßen überstehen wollen, müssen wir uns von gewohnten Denkmustern verabschieden, den Kopf über den Tellerrand strecken, und in Richtung Süden und schauen, wie es die Bauern dort machen. Mit den neuen Herausforderungen müssen wir uns  anfreunden, ob wir wollen oder nicht.

 

 

 


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Erlebnistage Bodenfruchtbarkeit

Eine sehr gute Initiative. Auf die natürliche Fruchtbarkeit des Bodens muss wieder mehr Wert gelegt werden. Das fängt damit an, dass das Bodenleben in seiner Vielfalt unterstützt und gepflegt wird.

Fruchtbarer Boden ist die Grundlage allen Lebens und muss langfristig gesichert werden. Die Qualität und Fruchtbarkeit eines Bodens durch Sehen, Fühlen und Riechen selbst erfahren – die Möglichkeit dazu gibt’s im Herbst 2017 auf den ersten Bodenfruchtbarkeitstagen, die von der Bio-Stiftung Schweiz, dem Bodenfruchtbarkeitsfonds und BaselWandel mit Partnern durchgeführt werden.  Auf drei verschiedenen Höfen/Initiativen kann alles rund um das Thema Boden erkundet und erlebt werden.

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Samstag, 23. September 2017: Nuglar Gärten in Nuglar-St. Pantaleon (CH)

Von 13.30 – 20 Uhr: „Solidarische Landwirtschaft mit Verantwortung für den Boden“. Aktivitäten: 2000 m² WeltackerTour, Workshops für Gross & Klein, Tauschbörse für Eingemachtes, AckerZnacht, Musik & Tanz, Erntedankfest

Samstag, 30. September 2017: Gärtnerei am Goetheanum in Dornach (CH)

Von 11 – 17 Uhr: „Bodenleben fördern durch den biologisch-dynamischen Impuls“. Aktivitäten: Spatendiagnose, Lebewesen im Kompost, biologisch-dynamische Präparate, Infostände, Kurzführungen für Jung & Alt.

Samstag, 7. Oktober 2017: Hof Dinkelberg in Schopfheim (D)

Von 14…

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Wenn der Bauer Grippe hat.

 

Diesen Artikel schreibe ich aus aktuellem Anlass. Die Fakten sind also nicht irgendwo hergeholt, sondern es ist ein Tatsachenbericht. Ich steck mittendrin. So richtig mit Fieber und allem, was dazugehört.
Das Jahr hat eigentlich ganz gut begonnen.  Niemand war ernsthaft krank, und so war ich der guten Hoffnung, dass der Kelch  in diesem Jahr an mir vorüberginge. Leider habe ich mich getäuscht. Irgend so ein verlassenes, herumirrendes  Virus hat den mühsamen Weg zu uns nach Ussenburg auf über 920 m Höhe geschafft. Mich wundert es schon, was es bei uns da oben anstellen will. Hier wohnen doch nur ein paar Leute. In der Stadt, da wäre es doch viel interessanter. Das kleine Virus  könnte unbemerkt von einer Haustüre zur anderen huschen, und die Leute dabei beobachten, wie sie alle schniefen, frieren und husten. Es hat sich vermutlich gedacht: wenn ich schon mal hier bin, dann möchte ich auch das tun, wozu ich bestimmt bin. Und so kam es schnurstracks auf mich zu, und hat mich angesteckt.
Dass etwas nicht mehr so ganz stimmt, das habe ich schon vor mehreren Tagen bemerkt. Damit meine  Frau nicht überrascht wird, und nicht aus allen Wolken fällt, sagte ich ihr: “ I glaub, i verkranke.“

Diese vier unheilvollen Worte hört meine Frau Irmi nicht allzu gerne. Sie weiß dann, dass die Laune ihres Ehemannes rapide umschlägt, dass sie viele Arbeiten von mir übernehmen, und dass sie ihre homöopathischen Kompetenzen ausreizen muss.
Heutzutage nimmt ja die ganze soziale Welt an einem Krankheitsgeschehen teil. Sobald man bei Facebook eine Silbe davon erwähnt, kommen Genesungswünsche und vor allem die ungewöhnlichsten Rezepturen, mit denen sich das Übel schnell beseitigen ließe.
Als Irmis Freundin einen Vorschlag aus ihrem Heimatland Polen schickte, ich solle heiße Milch mit Honig und Knoblauch trinken, und sie dieses Gebräu mir auch noch servierte, da wurde es mir noch flauer im Magen als es ohnehin schon war. Ich deutete ihr an, dass ich Vieles mit mir machen ließe.  Sie könne mich mit Globulis und Tabletten vollstopfen, sowie heisse Kartoffelsäcke auf meine Brust legen,  aber diese Mischung möchte sie doch in den Gully kippen. Ich könnte mir vorstellen, dass sich das Getränk in Verbindung mit Wodka konsumieren ließe, aber dieses Gemisch in Reinform auf puren Magen – eine Horrorvorstellung. Als Irmi zur Grippevorbeugung selber einen Schluck von dem östlichen Medizingemisch nahm, kam sie zu der Erkenntnis, dass ich ausnahmsweise Recht hätte.      Schließlich einigten wir uns, dass wir uns künftig wieder auf bayerische Hausmittel beschränken, um unsere Krankheiten zu kurieren.

Nun ja, das Virus dachte sich wahrscheinlich: Wenn ich schon mal da bin bei dem Bauer Franz, dann beginne ich auch gleich mit meiner Arbeit. Das Ergebnis ließ nicht lange auf sich warten. Ohne Appetit und mit einer Wärmflasche im Arm torkelte ich in Richtung Bett. Die Wärmflasche war übrigens über mehrere Tage und Nächte mein ständiger Begleiter. Man kann gar nicht glauben, wie schnell man sich an diese angenehme  Gesellschaft gewöhnt.
Die erste Nacht mit Fieber hinterließ ihre Spuren. Mit durchnässtem Schlafanzug riss mich der Wecker um halb sechs aus dem Dämmerschlaf. Was viele von euch vielleicht gar nicht wissen: Ein Milchbauer muss seine Tiere versorgen und Kühe melken, auch wenn er krank ist. Ob er will oder nicht. Es gibt keinen gelben Zettel, den man beim Arbeitgeber einreicht, um daheim zu bleiben und die Krankheit auszukurieren. Im äußersten Notfall kommt vielleicht jemand vom Maschinenring – aber das ist mittlerweile nicht mehr garantiert, denn auch hier fehlt qualifiziertes Personal.
Nach mehrmaligem – gewolltem oder ungewolltem Überhören  des Weckers schlurfte ich warm eingepackt in Richtung Stall. Alles lief heute irgendwie langsamer. Routinearbeiten, die sonst im Schlaf von sich gingen, mussten überdacht werden. Das Melken zog sich eine Ewigkeit hin. Mit jedem Blick in den Stall dachte ich: War die Kuh schon mal da? Werden das gar nicht weniger? Ich könnte meinen, ich hätte heute doppelt so viele Kühe als sonst.
Irgendwann fand das Melken doch ein Ende, und auf den ersten Ruf meiner Frau, ich solle reingehen, verschwand ich ohne Widerrede. Dies ist eher ungewöhnlich, denn normalerweise finde ich immer etwas, das noch getan werden muss. Aber in so einem Fall will  man es sich mit seiner treusorgenden Pflegekraft nicht verscherzen. Wer weiß wie lange sich das kleine Virus bei mir aufhält und was es mit mir noch alles anstellt. Ich kann mich dann glücklich schätzen, wenn mir  Irmi die Heisse 7, das Glas Zitronensaft, den Holler Saft, die Globuli Kügelchen und den Dampfomat reicht. Der Dampfomat ist bei uns das Gerät, mit dem man salzhaltige Sole inhaliert.

Statt eines Frühstücks führte mich der Weg in die Dusche und sofort wieder ins warme Bett zu meiner Wärmflasche, die schon auf meine kalten Füße wartete.
In den  kommenden Tagen lief auf dem Hof nur das Notprogramm: Füttern, melken, Kälber tränken, ein bißchen Büro und sonst gar nichts. Viel mehr konnte ich meiner Irmi auch nicht zumuten, denn wie ich schon eingangs erwähnte, stieg mit der Erhöhung des Fiebers auch das Pensum an, an dem ich was rumzunörgeln hatte. Im günstigsten Fall merkt man es dann selber, dass man die Nörgel-Bremse anziehen muss, sonst kocht die Stimmung über.

Ich bin jetzt am vierten Tag meiner Grippe angelangt,  und ich merke, dass das Virus langsam keinem Bock mehr hat. Es hat sich scheinbar ausgetobt bei mir, und verkrümelt sich langsam.
Was ich aber befürchte ist, dass es sich meine Adresse merkt, und nächstes Jahr um diese Zeit wieder bei mir vorstellig wird.

Ich warte es einfach ab, ernähre und bewege mich derweil vernünftig. Und falls wir uns wiedersehen, dann sind wir zwei ja schon alte Bekannte. Vielleicht können wir uns  irgendwie arrangieren, dass das eine oder andere Grad Fieber gar nicht notwendig wäre…..


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Nachhaltigkeit

Das Thema Nachhaltigkeit ist für uns nichts Neues. Es beschäftigt die Familie Kinker schon seit Generationen. Was früher eine Selbstverständlichkeit war, nämlich Erzeugnisse und Dienstleistungen vor Ort zu nutzen, das hat sich, so wie ich es beobachte, in letzter Zeit stark gewandelt.
Diesem Trend sind wir nicht gefolgt. Unser Motto lautet: Global denken – regional handeln.
Genau genommen kommt das Wort „Nachhaltigkeit“ aus der Forstwirtschaft. Vor über 300 Jahren machte sich  Hans-Carl von Carlowitz Gedanken, wie sich der Raubbau im Wald eindämmen ließe. Zum Glück fand der Visionär damals viele Gleichgesinnte, und so kam es, dass sich dieses Prinzip flächig ausbreitete. In der Forstwirtschaft ist es mittlerweile üblich, dass nur so viel Holz genutzt wird, wie auch langfristig nachwächst.

Bunt gemischt, so soll es sein

Bereits im zarten Alter von 16 Jahren hat mir mein Vater die Bewirtschaftung unseres 10 Hektar grossen Waldes übertragen.
In meinem jugendlichen Tatendrang pflanzte ich ein buntes Potpourri von allen möglichen Baumarten, die in unsere Region passten. Mein vorrangiges Ziel war es, den Hang- Schutzwald, der 50% unserer Waldfläche ausmacht, zu stabilisieren und mit Mischbaumarten zu verjüngen. Mühsam baute ich Wildschutzzäune, pflanzte Weißtannen, Bergahorn, Eschen, Buchen und Roterlen unter dem Schirm der Altbäume. Trotz Problemen mit hohem Wildbestand und Hangrutschungen gab ich nicht auf.
Heute freue ich mich, wenn mich am Waldrand die Lärchen begrüßen, und wenn ich an ein paar markanten Stellen meine Exoten, die Mammutbäume entdecke.
Der Wald dient uns als wichtiger CO2-neutraler Rohstofflieferant für Baumaßnahmen auf dem Hof, und täglich wächst in ihm neues Heizmaterial für unsere Hackschnitzelheizung.

Ökologische Landwirtschaft

Schon im Jahre 1988 stellte mein Vater Hans die Weichen für eine Ökologisierung unseres Grünlandbetriebes. Er nahm am Kulturlandschaftsprogramm teil, das der Freistaat Bayern ins Leben rief. Die endgültige Entscheidung, auf Bio umzustellen, fällten meine Frau Irmi und ich im Jahre 1998. Das mulmige Gefühl, für viele Jahre der einzige Biobauer der ganzen Gemeinde zu sein, das legte sich mit der Zeit. Wir haben unseren Entschluss nicht bereut, und sind froh, dass wir diesen Weg eingeschlagen haben.

Stillstand ist Rückschritt

Diesen Satz habe ich irgendwann mal aufgeschnappt, verinnerlicht, und im Lauf der Jahre konsequent umgesetzt. Nicht immer zur Freude meiner Familie, denn es wurde jedes Jahr etwas gebaut. Immer gab es Dreck, Bauschutt und Staub. Was für den Mann eine Herausforderung ist, ist für die Frau meist ein Albtraum. Unser erstes Ziel war, die Ferienwohnungen zu renovieren. Modern und komfortabel sollten sie werden, damit sich die Gäste wohlfühlen. Wir dachten aber nicht nur an das Wohlergehen der Urlaubsgäste, sondern auch an uns selbst. Das mühsame Heizen des Hauses vom Küchenherd aus sollte ein Ende haben. Deshalb kauften wir uns im Jahr 1996 eine moderne Hackschnitzelheizung, die den Holz-Brennstoff automatisch zuführt. Damit die Sonne, die bei uns im Allgäu fleißig scheint, nicht unnütz auf das Dach strahlt, installierten wir Sonnenkollektoren um das Brauchwasser aufzuheizen.

Das Zeitalter der Fotovoltaik

Mein Bestreben, unseren Hof möglichst Energie-autark zu betreiben, kam ich näher durch die Montage der ersten PV- Anlage auf der Maschinenhalle. Im Jahr 2009 war es nicht gerade billig, sich so eine Anlage zu leisten. Allerdings war ich überzeugt, dass diese Form der Energiegewinnung die zukunftsweisende, und folglich die Richtige ist.
Die Begeisterung für die Nutzung der Sonnenenergie war nicht aufzuhalten, sodass mittlerweile drei Anlagen mit einer Gesamtleistung von 50 kwp auf den Dächern liegen.
Momentan nutzen wir einen Anteil von ca. 30% des erzeugten Stromes selber. Diesen Anteil möchte ich deutlich erhöhen, durch den Einsatz eines Batteriespeichers, dessen Kauf kurz bevorsteht.
Bewusst haben wir uns im Jahr 2012 dafür entschieden, dass die fehlende Energie, die wir zukaufen, zu 100% aus erneuerbaren Energien stammt.

Ladestation und Elektromobilität

Der Anfang ist gemacht: Im Dezember 2017 installierte die uns zuverlässig betreuende Firma Epple Energie die erste Tesla Ladestation in der Autogarage. Zwei weitere, öffentliche Ladestationen sorgen ab kommendem Frühjahr dafür, dass Gäste, die mit einem Elektrofahrzeug anreisen, bequem am Parkplatz vor dem Haus aufladen können.
Irmi, die umweltbewusste Bäuerin, nutzt für die täglichen Fahrten zum Badesee während des Sommers mit Begeisterung ihr E-Bike.

Aus dem eigenen Garten- regional, saisonal und bio

Meine Frau kocht nicht nur leidenschaftlich gerne, sie legt auch Wert darauf, dass regionale Speisen auf den Tisch kommen. Sie stöbert in alten Kochbüchern, und findet dabei Gerichte, die schon unsere Vorfahren zubereitet haben. Einfach, schmackhaft und der Jahreszeit entsprechend. Viele der Zutaten baut sie im eigenen Gemüsegarten an. Klimafreundlicher geht es nicht mehr, denn die Transportwege belaufen sich hier auf maximal 20 Meter.
Auch die Äpfel, die auf den Streuobstbäumen wachsen, reisen nicht um die Welt. Wir lesen sie im Herbst, und lassen sie in der Dorf- Kelterei zu köstlichem Apfelsaft pressen. Aus der Dorf-Bäckerei Strobel stammen übrigens auch die leckeren Brötchen, die unsere Gäste täglich zum Frühstück bekommen. Generell orientieren wir uns an den Geschäften aus der nahen Umgebung. Man kennt sich, und wenn es Probleme gibt, hat man einen Ansprechpartner.
Auch bei der Einrichtung der Ferienwohnungen arbeiten wir gerne mit örtlichen Handwerkern zusammen, wie z.B. der  Schreinerei Reitebuch , die herrlich duftende Zirbenholzmöbel herstellt. Einen besonderen Menschen möchte ich noch erwähnen, den Günther Grass mit seiner kleinen Einmann- Firma Biowein Grass.
Günther beliefert uns schon seit Jahren mit erlesenen Bioweinen und allerlei Bio- Lebensmitteln. Was mir an ihm besonders gefällt, ist die Tatsache, dass er seinen Lieferanten einen fairen Preis bezahlt.

Ökonomie und Hofnachfolge

Zum Thema Nachhaltigkeit gehören auch die Bereiche Ökonomie und Soziales. Für mich sind das entscheidende Faktoren. Ein Bauernhof ist nichts anderes als ein Unternehmen. Es muss profitabel geführt werden, damit die nächste Generation Interesse daran hat, es weiterzuführen. Hier sehe ich bei vielen Betrieben ein grosses Problem. Viele Krisen haben dazu geführt, dass die Mehrzahl meiner Kollegen nicht das nötige Eigenkapital zur Verfügung hat, um den Betrieb fit für die Zukunft zu machen.
Aufgrund vorausschauender Denkweise haben wir es geschafft, eine ideale Kombination aus Bio-Landwirtschaft und Tourismus auf die Beine zu stellen.
Wenn alles nach Plan läuft, möchten wir unserem Sohn später einen ertragreichen Betrieb übergeben, mit dem er seine Familie ernähren kann.

Soziales

Zum Ganzheitlichen Denken gehören auch soziale Aspekte. Es versteht sich von selbst, dass unsere Mitarbeiter leistungsgerecht entlohnt werden, dass sie vernünftige Arbeitsbedingungen vorfinden, und sich ausreichend erholen können. Gemäß unserem Motto: Globales Denken unterstützen wir in regelmäßigen Abständen in Form von finanzieller Hilfe das Projekt Jiamini, das sich in Kenia um sozial benachteiligten Straßenkinder kümmert, und ihnen den Start in ein vernünftiges Leben ermöglicht.
Nicht nur in Entwicklungsländern, auch vor der eigenen Haustüre lässt sich Gutes tun. Als der Umbau unseres alten Stalles anstand, machten wir uns Gedanken über die Nutzung des Gebäudes. Das Sinnvollste, so schien es uns, wäre der Bau von Ferienwohnungen. Die Wohnung im Erdgeschoß eignete sich aufgrund ihrer Größe perfekt zur barrierefreien Gestaltung. Den Entschluss, diese Räumlichkeiten an die Bedürfnisse von Personen mit Handicap anzupassen, haben wir noch nie bereut. Die Gäste sind so dankbar dafür, ein Quartier gefunden zu haben, mit dem sie gut zurechtkommen.
Am Ende meiner Ausführungen möchte ich noch erwähnen, dass wir jungen Menschen einen Einblick in unser bäuerliches Leben ermöglichen. Im Rahmen von Praktika lernen Jugendliche aus Waldorfschulen den Umgang mit Tieren, Menschen, Maschinen, dem Kochtopf und den Gartenwerkzeugen.
Kinder und Jugendliche sind unsere Zukunft. Es ist unsere Aufgabe, ihnen entsprechendes Wissen mit auf den Weg zu geben.


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Mein Jahresrückblick 2017

Das absolute Highlight des Jahres war für mich der Besuch im Bayerischen Rundfunk in München und die Vorstellung des Buches: „Glücksgefühl to roll on.“
Deshalb beginne ich mit diesem Foto. War schon echt spannend, auf der Couch zu sitzen und zu wissen: Die Sache ist Live…. Ich denke, wir zwei haben uns ganz gut unterhalten, und über das geplaudert, wie es zu dem Buch kam, und welche Geschichten darin zu lesen sind.

Franz in München beim Bayerischen Rundfunk

Vorstellung des Buches: Glücksgefühl to roll on

Klirrende Kälte, glitzernder Schnee und strahlender Sonnenschein. Schöner kann der Winter nicht sein.  Unsere Gäste, und wir selber natürlich auch, nutzten die Gelegenheit und flitzten auf unseren Langlaufschiern durch die herrliche Natur.

Winterbild Baum Sonne Schnee Gegenlicht -  Bilder des Jahres

Ein wunderbarer Wintermorgen

Als die Frühlingssonne den Schnee weg schmolz, und sich die ersten Löwenzahnblüten zeigten,  servierte Irmi unserem Gast und Freund, Jörg Simm, einen reinigenden Löwenzahntee. Wie ihr seht schöpft Jörg neue Kraft und stärkt sich für den Alltag.
Sicher hilft ihm die Prozedur auch dazu, neue Ideen und Konzepte für Landwirtonline24.de zu entwickeln 🙂

Jörg

Löwenzahntee und Meditation wecken neue Kräfte

Zu  meinen Lieblingsfotos zählt auch dieses. Nach einem heftigen Sommergewitter ziehen dunkle Regenwolken gegen Osten

abendstimmung.jpg

Gewitterstimmung

Mit Feuereifer sind unsere Gästekinder dabei, Irmi beim Backen von Wildkräuterbrötchen zu helfen. Gemeinsam sammelten sie die Zutaten von unseren Wiesen, kneteten den Teig, und formten die Brötchen. Abends nach der Stallarbeit verspeisten wir die Leckereien gemeinsam mit den Eltern in gemütlicher Runde.

Wildkräuterbrötchen backen

Mit Gästekindern Wildkräuterbrote backen

Unsere Kühe durften wieder mal in einem Werbefilm mitmachen. Diesmal für einen Imagefilm des Allgäu Airport

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Filmaufnahmen für den Allgäu Airport

Der eigentliche Chef auf dem Berghof Kinker ist nicht der Bauer Franz, wie viele meinen, sondern unser Gockel „Frederic“. Er schart seine Damen um sich, und sie gehorchen ihm aufs Wort. Unter seiner Regie werden fleissig Eier gelegt, der Misthaufen umgewühlt, das Blumenbeet gejätet, und zur Freude der Bäuerin und Oma Kinker der Hausgarten „gepflegt“.

Frederic

Gockel Frederic

Dieses Foto entstand beim Fotoshooting für das Buch, das wir gemeinsam mit dem   Landschriftenverlag Münster auf den Markt gebracht haben. Liv-Grete unterstützte unseren Fotografen Markus Bauer beim Hin- und Herschleppen von Requisiten, und war immer da, wo man sie brauchte.

Franz Kind Grashalm

Bauer Franz und Liv- Grete

Das Bayerische Wirtschaftsministerium führte eine Reisegruppe aus Angola und Mosambik durch unser schönes Land, um ihnen Einblicke in unser Leben und Arbeiten zu gewähren. Besonderes Interesse hatten die Teilnehmer an mittelständischen Industriebetrieben wie Pfanzelt Maschinenbau . Ich führte sie durch unseren Betrieb und war fasziniert, von welch einfachen Dingen die Damen und Herren begeistert waren. Diese Aktion unterstützte ich gerne, denn mit diesem Wissen können die Teilnehmer  einen wertvollen Beitrag leisten, und ihr Land nach vorne bringen.

Andechser Milchauto

Reisegruppe aus Angola

Wenn es dem Bauern Franz ins Heu regnet, dann braucht er moralische Unterstützung. Maria, eine Frau mit Herz, hat die Lage erkannt, und gemeinsam mit ihren Kindern spontan „Franzbrötchen“ gebacken. Diese schmeckten fabelhaft, und der Ärger über das nasse Heu war wie weggeblasen.

Franz2

Eine Stärkung nach der Heuernte

Was tun Kinder im Hochsommer am liebsten? Natürlich Wasserpritscheln. Unser Weidefass und der Kälber-Nuckeleimer leisten hier wertvolle Dienste. So wie es aussieht wurde gerade ein erfolgreicher Angriff auf die Eltern gestartet.

Wasser pritscheln im Wasserfass und Zapfenkübel

Kinder beim Wasser pritscheln

Opa ist täglich mit seinem Fendt unterwegs. Mal zum Zäune aufstellen für die Kühe, mal zum Grasholen oder Äpfel aufsammeln.

Opa Pflocher mit Wagen schwarz-weiss

Opa Hans beim Grasholen

Hier treffen sich zwei Power-Frauen. Elke Pelz-Thaller, die Mentalbäuerin, erlebten wir bei einer Veranstaltung  Seminare mit Humor . Als kleines Dankeschön überreichte ihr Irmi eine selbstgebastelte Schwemmholz- Deko, deren Zutaten sie leidenschaftlich gerne aus dem Forggensee birgt.

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Elke Pelz-Thaller bekommt von Irmi ein Geschenk

Gemeinsam mit Freunden auf einer Berghütte übernachten. Dieses besondere Erlebnis durften wir heuer geniessen. Auf dem Weg zur Hütte schlichen wir an österreichischen Jungrindern vorbei, die ihre Mittagspause in der Sonne genossen.

Schumpen

Jungvieh döst auf der Weide

Gewitter reinigen bekanntlich die Luft und sorgen für so ein Postkartenmotiv. Damit so eine Kulisse nicht in Vergessenheit gerät, zückt der Bauer Franz schnell die Kamera.

Sommerimpressionen6

Abendstimmung – Blick vom Berghof Kinker

Hier war ich nicht zu beneiden, obwohl  lauter hübsche Damen sich um mich kümmerten 🙂 Bis der Fotograf das passende Foto im Kasten hatte, musste ich einiges erdulden…..

Kinder Sofa Franz kitzeln

Bauer Franz mal richtig durhchkitzeln

Die Verleihung des „Goldenen Gockels 2017“ durch Gerda Walser vomLandesverband Urlaub auf dem Bauernhof und Bayerns Landwirtschaftsminister Helmut Brunner war auch ein herausragendes Erlebnis. Dank unserer treuen Feriengäste, die  den Berghof Kinker und unseren Service in verschiedenen Bewertungsportalen hervorragend bewerteten, durften wir diese Auszeichnung empfangen.
Vielen Dank, liebe Gäste, auch euch gebührt der Dank.

Goldener Gockel

Preisverleihung „Goldener Gockel“

Die Hauswirtschafterei ist ein Team, von engagierten Landfrauen, die auf der Oberlandausstellung in Weilheim einen Burger- Wettbewerb ausrief. Irmi, eine begeisterte Köchin, präsentierte ihren „Wildkräuter-Burger“. Auf´s Siegertreppchen schaffte sie es nicht ganz, aber das Dabeisein war ein schönes, prickelndes Erlebnis, an das sie sich sicherlich gerne erinnert.

Wildkräuter Burger5

Irmi beim Wettbewerb mit ihrem Wildkräuterburger

Mit diesem winterlichen Gruß vom Nikolaus verabschiede ich mich, und wünsche euch allen ein gutes, glückliches und zufriedenes neues Jahr 2018.

Euer Franz

Nikolaus im Schnee

Nikolaus im Schnee