Franz Kinker

Geschichten vom Bio Bauern aus dem Allgäu


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Wie aus „Wilden Kräutern“ leckere Burger werden

Meine Frau, die Irmi, ist eine sehr begnadete Köchin, die leidenschaftlich gerne in ihrer Küche experimentiert. Sie schmökert in unzähligen Kochbüchern, sucht nach Oma´s Rezepten, und wandelt diese zum Teil auf „ihre“ Art und Weise ab. Im Hinterkopf hat sie dabei immer die Absicht, möglichst „gesund“ zu kochen. Ihre Kochbegeisterung konnte Irmi im Jahr 2015 unter Beweis stellen, als sie an der Sendereihe Landfrauenküche des Bayerischen Rundfunks teilnahm.
Ihr Bauerngarten, der sich auf einer sonnigen Anhöhe, direkt am Haus befindet, dient ihr für viele Gerichte als ideale Quelle für die Zutaten.
Eines Morgens las sie in der Tageszeitung, dass Die Hauswirtschafterei auf der Oberlandausstellung in Weilheim ein Wettbewerb um den besten Burger veranstaltet. Da möchte sie dabei sein, tat sie mir Kund, und  gab  Vollgas. Vor dem Wettbewerb wollte sie ihre eigene Burger- Kreation Probekochen, damit bei der Prämierung nichts schiefgeht.
Rings um den Hof suchte sie auf den Wiesen nach Brennnesseln, Gundermann, Spitzwegerich und weiteren Artgenossen. Zum Glück wachsen diese auf unserem Betrieb aufgrund der Biologischen Wirtschaftsweise  in großer Vielzahl, und das Körbchen war schnell gefüllt.
Als es sich bei unseren Gästekindern  herum sprach, dass die Bäuerin noch ein paar Assistenten zum Kneten und Rühren in der Küche benötige, war die Schar gleich zur Stelle und ging voller Eifer ans Werk. Beim Betrachten des bunten Treibens  fiel mir der alte Spruch ein: „Viele Köche verderben den Brei“. Allerdings musste ich mich am Ende eines Besseren belehren lassen: Die Küchencrew machte einen super Job.

 

Kinder Teig kneten

Die Garten- und Wiesenkräuter mussten gewaschen, fein  geschnitten und in den Teig eingearbeitet werden. Das Kneten war dann „Männersache“, wie man auf dem Bild deutlich erkennen kann. Nach dem  Abschmecken mit Gewürzen  ging es mit den Teiglingen ab in den Backofen.

 

Während des Backens der Brötchen kümmerte sich Irmi um das Anbraten der Leberkäs- Scheiben, den Dipp und die Dekoration des Burgers. Der appetitliche Duft, der sich aus der Küche  im ganzen Haus verteilte, verführte mich zu gelegentliche Patrouille -Gängen an die Küchentüre. Als endlich das Signal aus der Küche kam: „Essen ist fertig“ stürzten wir uns hungrig auf die ofenwarmen Burger.
Ein Gedicht, sag ich euch!

Wer mag, der kann von mir das Rezept gerne haben, denn das Gericht ist zur Nachahmung empfohlen.

 

Wildkräuter Ussen- Burger

Wildkräuter Burger

 

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Glücksgefühl – to roll on

Ungefähr im halbjährlichen Rhythmus ereilt mich die freundliche Einladung meiner Frau, sie nach Füssen zum Einkaufen zu begleiten. Wenn ich ihre Worte höre: „Franz, du brauchst a neues Häs“ ( Gewand, in Hochdeutsch) dauert es nicht mehr lange.
Vorige Woche war es dann soweit.
Hochmotiviert und in bester Kauflaune, wohlwissend dass zu Hause ein Haufen Arbeit liegen bleibt, bestieg ich unser Auto und chauffierte meine Frau in die Stadt.
Schon am Ortsschild, die Karawane vor mir betrachtend, beschlich mich die Ahnung: „Bauer Franz, das ist nicht dein Tag.“ Nach unendlichem Suchen erscheint der ersehnte Parkplatz. Natürlich weitab jeglicher Zivilisation. Das heißt Fußmarsch in Richtung Innenstadt. Den Menschenmassen folgend schreiten wir in die Fußgängerzone. Die Unterhaltung beschränkt sich auf das Notwendigste.

Einkaufen ist halt nichts für Männer.

Mein Gesicht erhellt sich erst, als ich die Eisdiele erkenne. Drei Kugeln Eis in der Waffel. Das muss einfach sein, das hebt die Stimmung.
Frisch gestärkt geht es nun von einem Bekleidungsgeschäft ins nächste. Die eine Hose zwickt, die andere ist zu kurz, und dort ist das Hemd zu bunt. Mit großer Geduld und freundlicher Mine präsentiert mir eine nette Verkäuferin im letzten Geschäft ein Häs, das meinen Vorstellungen entspricht. So, das war´s jetzt wieder für ein halbes Jahr, denke ich mir.
Mit vollbepackten Einkaufstüten verlassen wir den Laden in Richtung Drogerie.  Meine Frau ist auf der Suche nach Kosmetikartikeln. Damit die Zeit einigermaßen sinnvoll vergeht, schlendere ich durch die Regale und spähe nach Zahnpasta mit biologischem Hintergrund.

Auf einmal sehe ich das Glücksgefühl

Unscheinbar, versteckt zwischen allerlei Deo´s entdecke ich plötzlich das Glücksgefühl. Ich wundere mich, was die Kosmetikindustrie  alles herstellen kann. Und   so bequem zum Auftragen auf die Haut…. Ich bin begeistert. In dieser Firma müssen schon sehr intelligente Leute arbeiten, die es fertig bringen, das Glück in so eine kleine Glasflaschen abzufüllen. Woher die das wohl zukaufen? Oder stellen die das selber her, so ähnlich wie bei der Homöopathie? Fragen über Fragen.
Mein Entschluss steht aber fest: Das will ich unbedingt probieren. Ob das wirklich hilft, wenn ich mir das Deo unter die Arme schmiere. Ich suche mir einen Tag raus, an dem ich geladen bin. Wenn mich irgendwas besonders ärgert. Und dann geh ich ins Bad und probiere das aus.

Der passende Tag ist gekommen

Es hat zwar eine Weile gedauert, aber irgendwann war er da. Der Tag, an dem alles schief ging, was schiefgehen konnte. Irgendwann  erinnerte ich mich an mein Glücksgefühl, das so einsam im Badschrank stand, und das ich doch ausprobieren wollte.
Missmutig stiefelte ich ins Bad und forschte nach dem Deo Fläschchen. Oberkörper frei, und los geht’s. Jetzt nicht sparen, denn viel hilft ja bekanntlich viel.

Wie die Geschichte ausgegangen ist, das kann ich euch noch nicht berichten.
Ich  vermute, das dauert eine Weile, bis das Glücksgefühl wirkt. Inkubationszeit heißt das, soweit ich mich erinnern kann.
Meine Frau hat mich dann im Bad stehen sehen, mir ins Gesicht gesehen und gemeint:
„Franz, komm zu mir in die Küche, trinken wir an Kaffee und essen einen Faschingskrapfen. Dann sieht die Welt wieder anders aus.“

Und da war es, das Glücksgefühl……….

 

 

 

 


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Terminstreichungsprogramm

 

Nicht mehr lange, dann steht sie vor der Tür: Die Adventszeit, die „Staade Zeit“. Viele Menschen sehnen sich nach Ruhe, Entspannung und Geborgenheit im vertrauten Heim. Doch wie schaut die Realität aus? Lassen wir uns nicht von Kommerz, Weihnachtsfeiern und „oh, das muss ich auch noch vor Weihnachten erledigen“ jagen?
Jeder Vertreter meint, er müsse vor den Festtagen noch den neuesten Firmenkalender oder die übliche Flasche Wein als Aufmerksamkeit vorbeibringen. Das ist ja an sich eine nette Geste, doch wer mit vielen Kunden zu tun hat, der weiß, wie viele Vertreter ins Haus schneien können. Meist entwickelt sich aus dem kurzen Besuch doch ein längeres Gespräch – und wenn es dumm geht, dann wird am Ende sogar noch eine Maschine gekauft.
An sich ist das nichts Verwerfliches, doch es stört einfach die Ruhe und den Frieden, den man sich von der Vorweihnachtszeit erhofft.
Personen, die im öffentlichen Leben engagiert sind, die können ein Lied davon singen, welcher Weihnachtsfeier- Marathon jedes Jahr auf der Agenda steht. Der Schützenverein, der Trachtenverein, die Blumenfreunde – alle sind der Meinung: Ohne eine pompöse Feier mit Festmahl, Glühwein, Plätzchen und Tombola wird es nicht Weihnachten.
Ich versuche einen anderen Weg einzuschlagen. Spontan habe mich dazu entschlossen, rechtzeitig vor Beginn der Adventszeit ein „Terminstreichungsprogramm“ einzuführen.
Alle Termine, die nicht unbedingt zur Erhaltung des Betriebes erforderlich, oder die unliebsam sind, werden gestrichen oder verschoben. Ich sehe nicht ein, warum ich mich hetzen lassen soll, um dann am 24.12. völlig erschöpft auf dem Sofa zu liegen.
Die Winterzeit, speziell die Adventszeit ist auch dazu da, um sich zu erholen. Die unzähligen Arbeiten während des Sommers, die vielen „Überstunden“, die der Bauer und die Bäuerin mitsamt der Familie leisten, die berechtigen sehr wohl, die Sache ein paar Wochen lang geruhsamer anzugehen.

In der Hoffnung, dass mein Programm viele Anhänger findet verbleibe ich als
Euer Franz


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Heute sondiere ich!

Anfang November. Ein grauer, kalter Morgen. Nebelschwaden ziehen umher. Die Stallarbeit ist für´s erste vorbei. Meine Frau, die Irmi und ich, sitzen am Frühstückstisch. So richtig gesprächig ist noch keiner. Es waren ja auch keine besonderen Vorkommnisse im Stall. Nach der ersten Tasse Kaffee erwachen die Lebensgeister. Irmi blickt während der Zeitungslektüre ganz nebensächlich zu mir hinüber und stellt beiläufig die Frage: „Was tust du denn heute so?“
Die Motivation für den heutigen Tag ist nicht die beste. Das habe ich schon beim Aufstehen bemerkt. Allerdings möchte ich mir nicht die Blöße geben, dass ich keinen Bock habe. Nach einer kurzen Denkpause kommt die spontane Antwort: „Heute sondiere ich!“

Irmi hält kurz inne. Ihr erstaunter Blick über den Rand der Zeitung sagt mir, dass sie mit einer so hochqualifizierten, präzisen Erwiderung ihrer Frage nicht gerechnet hat.

Nach meiner Aussage wusste sie zwar genauso viel wie vorher, denn das Wort „Sondieren“ ist ja erst seit kurzer Zeit in aller Munde. Früher, da sondierte keiner, höchstens mal ein Arzt, der an einem Patienten herumstocherte.

Heutzutage sondieren die höchsten Politiker unseres Landes im stillen Kämmerlein, und zwar wochenlang. Keine Tagesschau vergeht, ohne dass nicht davon gesprochen wird. Meist sind die Ergebnisse mager, genauso wie an dem Tag, als ich sondierte.

Wie man richtig sondiert

Meine ersten Schritte nach dem Frühstück führen mich ins Büro. Die E-Mails abfragen, und bei Facebook nachsehen, was draußen in der Welt bei meinen Freunden und Bekannten alles passiert. Ein unliebsames Formular, das ich ausfüllen soll, schiebe ich erst mal zur Seite. Das kann noch warten, und zwar auf den Tag, an dem mein Laune-Pegel wieder am obersten Rand steht. Des Weiteren steht das Markieren eines neugeborenen Kälbchens auf dem Programm, die Klauenpflege einer Kuh, die vermutlich einen kleinen Stein eingetreten hat, die Reparatur eines Stuhles aus der Ferienwohnung und noch viele kleine Arbeiten, die getan werden müssen, von denen man am Ende des Tages aber nichts sieht.

Blickt man abends dann auf den Arbeitstag zurück, dann denkt man sich: Was habe ich heute bloß geschafft?

Eigentlich ist der Begriff „Sondieren“ nichts Neues. Den gab es im Allgäu schon immer. Sondieren heißt bei uns „Stieren“. Ein „Stierer“ ist ein Mensch, der zwar beschäftigt ist, aber dennoch nichts fertig bringt. In jedem Ort gibt es Stierer. Größere und Kleinere. Damit meine ich nicht die körperliche Gestalt, sondern die Intensität, mit der die Betreffenden stieren. Ich persönlich zähle mich zu den eher kleinen, den Gelegenheitsstierern. Zu denen, die mangels vernünftiger Arbeit eine unbedeutende Kleinigkeit in Ordnung bringen, oder etwas aufräumen. Eine Unwichtigkeit, an der man schon oft vorbeigelaufen ist, und sich jedes Mal aufgeregt hat, dass das Teil immer noch defekt ist. Weitere Stierigkeiten sind die Aufträge der Ehefrau. Bei euch ist das sicherlich auch so, dass die „Dätscht du mir mal“- Aufträge der Frau meist ganz hinten auf der Agenda stehen. Wenn diese aufgeschobenen Arbeiten endlich erledigt werden, dann sind das die Momente, in denen dem Eheglück etwas nachgeholfen werden kann. Dazu eignen sich die Tage ganz besonders, an denen man sowieso nichts „gscheides“ zu tun hat.

Eines ist tröstlich und ganz gewiss: Stierer wird es immer geben. Die sterben nicht aus.

Bei der Gelegenheit sollten wir Allgäuer vielleicht ein bisschen umdenken, und unsere Stierer künftig Sondierer nennen. Das klingt viel eleganter. Die Person, die es betrifft, fühlt sich vielleicht sogar geehrt.

Ich jedenfalls sehe meinen Sondierungstag eher gelassen. Wir hatten einen strengen Sommer, es gab viel Arbeit in Haus und Hof. Wenn mal so ein Tag dazwischen ist, an dem man die Zeit nur so verplempert, dann ist das ein Tag für die Seele.

 

 


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Bauern- Soli, ist das die Lösung?

 

 

Wenn ich meine Kühe melke, da purzeln mir allerhand Gedanken durch den Kopf. Obwohl ich mich auf die Arbeit konzentriere, sind mir beim Melken u.a. schon die besten Blogbeiträge, Marketing-Ideen und Inhalte für die Webseite eingefallen.

Derzeit beschäftigt mich das Schicksal meiner Berufskollegen. Ich könnte mich da ganz raushalten, denn ich selber kann mich nicht beschweren. Meine Frau und ich trafen frühzeitig richtige betriebliche Entscheidungen, und setzten auf Bio und Tourismus. Beides sind in unserer Region, dem Allgäu, sehr gefragte Geschäftsbereiche. Urlaub auf dem Bauernhof liegt voll im Trend, gerade bei Familien. Aber auch jung gebliebene Senioren, Singles, Manager, genießen die Ruhe und den Komfort, den die meisten Betriebe mittlerweile bieten.

Raushalten will ich mich nicht

Die finanzielle Not meiner Kollegen lässt mich nicht kalt. Oft denke ich darüber nach, warum das System krankt. Warum greift die Politik nicht ein? Was muss getan werden, um schnellstmöglich eine Kehrtwendung herbeizuführen? Eines ist klar, der Weltmarkt ist da, mit all seiner Härte – aber auch mit seinen Chancen. Nahrungs- und Futtermittel aus allen Kontinenten werden über die Meere gefahren oder geflogen. Ob es sinnvoll ist oder nicht, das wage ich manchmal zu bezweifeln. Wenn der Preis passt, dann steht halt die Neuseeländische Milch im Deutschen Kühlregal. Hauptsache die Marge der Discounter erfüllt die Vorgaben der Konzerne.

Es geht aber auch anders

Zum Glück gibt es Verbraucher, denen nicht egal ist, woher die Produkte kommen. Sie möchten Nahrungsmittel aus der Region kaufen. Sie kennen vielleicht sogar den Bauern aus dem Nachbarort und wissen, dass dieser fleißig und ordentlich wirtschaftet, sorgsam mit seinen Tieren umgeht, und viel investiert hat in letzter Zeit. Er hat die heimische Wirtschaft unterstützt, und sitzt jetzt auf einem Schuldenberg, den er abbezahlen muss. Bei einem Milchpreis von 30 Cent je Liter geht das aber nicht. Der Bauer lebt von der Substanz und verkauft vielleicht sogar Betriebsflächen, um nicht Konkurs zu gehen.

Viele Verbraucher würden uns Landwirte unter die Arme greifen

Wir wissen, um den Weltmarkt kommen wir nicht herum. Wir wissen aber auch, dass ein wesentlicher Teil der Gesellschaft bereit ist, für Lebensmittel, die auf bäuerlichen Familienbetrieben erzeugt werden, mehr zu bezahlen. Dies zeigt eine Studie des Lehrstuhls „Marketing für Lebensmittel und Agrarprodukte“ der Uni Göttingen. Demnach bemängelt die Mehrheit der befragten Personen dass vor allem bei Milchprodukten ein deutliches Missverhältnis herrscht zwischen dem Ladenpreis und dem, was der Landwirt erhält. Diese Situation muss uns doch zu denken geben!
Kunden leisten einen Solidarbeitrag am Milchregal

Jetzt zu meiner Idee aus dem Melkstand: Warum montieren wir am Kühlregal nicht ein Bezahlsystem, bei dem der Kunde freiwillig einen Betrag überweisen kann, der auf ein Sammelkonto gebucht wird, und direkt an den Milchlieferanten ausbezahlt wird? Auf diese Weise kann der Kunde seine Wertschätzung ausdrücken. Sein Solidarbeitrag kommt genau da an, wo er gebraucht wird – beim Bauern. Ohne dass dazwischen jemand die Finger ableckt.

In Schweden wurde so ein System nach Angaben der Fachzeitschrift „Elite“ schon eingeführt. Dort können die Verbraucher einen freiwilligen Aufschlag von 10 Cent für die Bauern leisten. Sage und schreibe bezahlen zwei Drittel diesen Zuschlag. Es dürfte doch in der heutigen Zeit kein Problem sein, so ein System technisch umzusetzen.

Ich bin der Meinung, dass neben all den flankierenden Maßnahmen, die dazu dienen uns Bauern aus der Not zu retten, dies eine unkomplizierte und vertrauenswürdige Aktion wäre.

Wenn der Kunde die Gewissheit hat, dass sein Beitrag beim Landwirt landet, dann ist er auch bereit, ihn über den Ladenpreis hinaus zu unterstützen. Dessen bin ich mir sicher.

Also, Bauern, nehmen wir das in die Hand, und zwar selber. Nicht die Herren von Aldi. Und wenn keiner weiß wie, dann fahren wir halt nach Schweden. Ein Betriebsausflug kann nie schaden.

Reisen bildet, und erweitert den Horizont.

 

Euer Kollege, der Bauer Franz aus dem Allgäu

 

 


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S´Meggele

Ich bin´s, das Meggele. Wahrscheinlich kennt ihr mich noch nicht. Ich verrat´s euch schnell, sonst müsst ihr bis am Ende raten, wer ich bin. Ein Meggele ist allgäuerisch und damit ist ein Kälbchen gemeint. Männlich oder weiblich, das ist egal. Wir heißen hier alle „Meggele“.

Mein Zuhause ist ein Iglu

Ich bin jetzt schon eine Woche alt und quietschfidel. Mir geht es echt super gut. Ich habe ein eigenes Zuhause, es ist ein Iglu. Ja, ihr habt richtig gelesen, ein Iglu. So nennen die Milchbauern hier im Allgäu diese Boxe. Die hat ein rundes Dach  und ist kuschlig mit Stroh eingestreut. Und da es wie ein Iglu aussieht, heißt mein Zuhause auch so – auch wenn ich kein Eskimo bin. Mein Iglu ist aus Plastik und an meine Größe angepasst. Es bietet mir Schutz vor Wind und Wetter. Vorne ist ein Gitter angebracht, da hängt mir die   „ Bäuerin Irmi“, dreimal am Tag einen Nuckeleimer mit frischer Milch von meiner Mama hin. Die ersten Tage ist die Irmi sogar zu mir ins Iglu gekrochen und hat mir gezeigt, wie man am Nuckel trinkt. Ich hab´s ja nicht gewusst, wie man das so macht. Als ich dann gemerkt habe, dass die Milch aus dem grünen Nuckeleimer kommt, und nicht aus dem Euter – wie ich es irgendwie eher vermutet hätte, da bin ich immer gleich aufgesprungen, wenn ich die Irmi gesehen habe. Irmi lächelt immer so und streichelt mich am Kopf. Vermutlich ist sie ganz froh darüber, dass sie sich nicht mehr zu mir in das Iglu zwängen muss. War doch ein bisserl eng für uns zwei.

Eigentlich fing ja alles mit meiner Geburt an. Ich hörte den „Bauern Franz“, sagen, dass die nicht ganz so prickelnd war. Eigentlich besch…..n, wenn man es genau nimmt. Ich kam nachts auf die Welt. War mir aber egal. Bei meiner Mama drinnen war es ja auch immer dunkel. Ich konnte nicht ahnen, ob es draußen hell oder dunkel ist. Nun ja, meine Mama bekam Wehen, und ich merkte, dass etwas passierte. Bis dahin war alles unspektakulär. Manchmal wurde ich im Bauch meiner Mama hin und her geschaukelt, wenn sie über die Weide lief oder sich im Stall bewegte. Das war aber auch alles. Jetzt auf einmal spürte ich von hinten diesen Druck und wurde vorwärts gepresst. Plötzlich sah ich etwas Helles und musste mit meinen Augen zwinkern.

Ich war auf der Welt.

Die Geburt war leider nicht so angenehm, wie ihr das vielleicht aus dem Fernsehen  kennt. Ich fiel buchstäblich in die Sch…e. Meine Kumpels, die Kälbchen, die im Sommer geboren werden, haben es da besser. Die kommen meist auf der Weide auf die Welt, fallen ins weiche Gras und sind picobello sauber. Ich wurde aber im Winter geboren und hab´s deshalb nicht ganz so optimal getroffen. Das Gute an der Sache war aber, dass meine Mama sofort reagiert hat. Gewöhnlich brüllen die Mütter, wenn ihre „Kinder“ geboren sind. Das ist ein natürlicher Instinkt. Meine Mama hat das auch gemacht, und das hat der Bauer Franz gehört.

Er hörte das deswegen, weil er im Stall so ein neuartiges Ding hat. Die Menschen nennen es Kamera mit Tonübertragung. Scheint eine komplizierte Technik zu sein, weil immer wieder mal jemand danach schaut, und etwas daran rum stellt. Funktioniert aber trotzdem ganz gut, sonst hätte Franz ja meine Mama nicht brüllen hören.

Jedenfalls kam der Bauer im Stall-Overall und mit Gummistiefeln anmarschiert. Als er mich sah, zog er mich an den Beinen in die Liegeboxe, wo meine Mama lag. Dort rieb er mich mit frischem Stroh ab. Meine Mama war anscheinend auch überglücklich mich zu sehen, und begann sofort mich abzulecken. In dieser Zeit bereitete der Franz vermutlich das Iglu vor. Auf jeden Fall war es bei meinem Umzug mit frischem Stroh eingerichtet. Irgendwann später kam dann der Franz mit einer Art Sackkarre bei mir an. Er lud mich rein, und wir zwei fuhren zum Iglu. Ihr denkt jetzt vielleicht, das ist ja schlimm, von der Mama getrennt zu werden. Fand ich aber gar nicht, für mich war es ganz ok so. Im Stall bei den Kühen, da habe ich mich nicht wohl gefühlt. Ich war da nur im Weg. Außerdem wurde mir kalt. Der Franz hat mir im Iglu mit einem blauen Spray noch meinen Bauchnabel desinfiziert, und dann zog er mir eine Jacke über – er nannte sie Kälberdecke. Die war weich und ganz warm. Der Franz hat sich ganz liebevoll um mich gekümmert, fast so wie meine Mama in der Liegeboxe. Meine Mama hat er sogar von Hand gemolken, und mir dann die frische Milch gebracht. Oh war die lecker….

Ja, so war meine Geburt. Richtig aufregend und spannend für mich. Mittlerweile ist der Alltag eingekehrt. Auf dem Bauernhof von Franz und Irmi, da sind auch viele andere Menschen. Irmi nennt sie Feriengäste. Vor allem deren Kinder kommen jeden Tag bei mir vorbei und wollen mich streicheln. Den größeren Kindern hat die Irmi gezeigt, wie man die Milch der Kühe, die Kälbermilch, aufwärmt, und die Kinder  dürfen dann den Eimer mit der Milch zu mir bringen. Die sind dann fast so glücklich wie ich, wenn ich meine Mich bekomme und den Eimer voller Begeisterung austrinke. Ich versteh das zwar nicht ganz, aber ist mir auch egal. Hauptsache mein Bauch ist voll, und ich habe keinen Kohldampf mehr.

Mit den Kindern eine Runde drehen

Gestern kam der Bauer Franz mit einem Halfter zu mir ins Iglu. Ich habe verdutzt geschaut, weil da noch eine ganze Schar Kinder um meine Hütte stand. Ich hab mich schon gewundert, was das soll – bin doch kein Fohlen, das man am Halfter führt. Als mir der Franz das Halfter dann anpasste, und die Türe am Iglu öffnete, da wurde mir klar, dass ich mit den Kindern einen Hofrundgang machen durfte. Oh, was hatte ich für einen Spaß. Die Kinder führten mich am langen Seil auf die angrenzende Wiese – yippie! Dort hüpfte ich ein paar Runden und war dann ganz außer Puste. So ein Fitnessprogramm war ich nicht gewohnt. Aber schön war´s.

 

Paulin Kalb Kinder

 

Ich hab das Gefühl, dass ich es ganz gut getroffen habe, bei den Kinkers. Im Sommer darf ich dann mit den anderen Meggeles raus auf die Weide. Darauf freu ich mich jetzt schon.

Vielleicht sehen wir uns dort ja mal, dann kann ich euch mein Zuhause zeigen. Wird bestimmt cool.

Euer Meggele

 

 


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Wo geht die Reise hin?

Die Zeit zwischen den Jahren sollte man als Landwirt nicht nur dazu verwenden, sich von den Strapazen des Jahres zu erholen, sondern auch dazu, mal inne zu halten und über das nachzudenken, wie es persönlich und betrieblich weiter gehen soll.

Mal zu überlegen: bin ich erfolgreich in meinem Beruf, ist der Hof zukunftsfähig, stehen große Investitionen an, habe ich genügend Freizeit, ist jemand da, der die Hofnachfolge mit Begeisterung antritt?

All das sind Fragen, denen man sich von Zeit zu Zeit stellen muß. Ich bin mir sicher, dass dies viele meiner Kollegen nicht tun, oder nur zaghaft. Sie rackern von früh bis spät und machen sich keine Gedanken, wo ihr Betrieb in fünf Jahren stehen soll. Ausser wenn im Ort oder sogar weit ausserhalb eine Fläche zur Pacht ansteht, da werden sie hellwach.

 Wachsen oder weichen

Jahrzehntelang hat es funktioniert, dieses Prinzip. Große Betriebe haben die Kleinen geschluckt. Die Großbetriebe profitierten von der Effizienzsteigerung. Die Stückkosten sind gesunken – allerdings bei steigenden Maschinen- und Personalkosten. Wer clever war, der nahm die Hilfe von Lohnunternehmern an, und investierte nicht grenzenlos in einen eigenen Maschinenpark.

Jetzt funktioniert dieses Prinzip in vielen Bereichen der Landwirtschaft wie z.B. bei Milch, Schweine- und Fleischproduktion nicht mehr. Das Prinzip hat sich geändert auf nur noch „weichen“. Wachsen bringt nichts mehr, denn wer pro Liter erzeugter Milch draufzahlt, dem hilft es auch nicht, wenn er mehr davon erzeugt. Er zahlt dann halt noch mehr drauf. So einfach ist das.

 Beständig ist nur der Wandel

Noch nie in der Geschichte war die Zeit so schnelllebig. Eine Geschäftsidee, die heute boomt, die kann morgen schon ein Ladenhüter sein, wenn die Firma nicht am Puls der Zeit bleibt. Ich erinnere mich noch gut, als sich viele Firmen durchrationalisierten. Alle Teilbereiche, die nicht in das große Konzept passten, die wurden verkauft. Man fokussierte sich auf EIN Geschäftsfeld. Heutzutage stellen sich viele Betriebe wieder breiter auf. Wenn ein Bereich mal nicht so läuft, dann wirft meist eine andere Sparte den gewünschten Ertrag ab. Der Betrieb kann flexibler reagieren, und eine Durststrecke aushalten. Genauso wie es mein Anlageberater von der Bank immer predigt: „Setz nicht alles auf ein Pferd“, Wir Landwirte müssen auch überlegen, ob wir uns alternative Standbeine zulegen. Allerdings schränke ich ein: Die Geschäftsideen müssen überschaubar bleiben. Denn über viele Beine, da kann man auch stolpern…..

 Auf uns warten neue Herausforderungen wie das Tierwohl, die neue Düngeverordnung, der aufgeblähte Bürokratismus und die Öffentlichkeitsarbeit.

Weil wir gerade beim Thema Wohlbefinden sind: Ich bin der Meinung, es geht in der Produktkette allen wohl, ausser den Erzeugern. Den Weiter- Verarbeitern, Händlern und Ladenketten ist es piep egal, wie teuer sie ihre Produkte einkaufen. Sie geben ihre Marge weiter, und können gut davon leben. Sie stärken sogar ihre Marktmacht durch Mega- Fusionen, um künftig noch mehr Macht auszuüben. Die Verlierer in diesem Spiel, das sind die Erzeuger. Ich bin gespannt, wie lange wir uns das noch gefallen lassen.

Meine Wünsche für 2017

Ich wünsche mir von der kommenden Regierung, dass sie die Belange und Nöte der Bauern erkennt, versteht und entsprechend handelt. Vom bisherigen Bundesminister für Landwirtschaft bin ich maßlos enttäuscht. Er überlässt die Bauern dem Schicksal des freien Marktes, und opfert dafür die Zukunft des ländlichen Raumes. Es muss endlich mal in die Köpfe der Regierenden hinein, dass die heimische, regionale Landwirtschaft auch eine volkswirtschaftliche Bedeutung hat. Nicht nur der Export von Wirtschaftsgütern wie Autos und Maschinen. Wenn das Höfesterben so weitergeht, dann machen wir uns bald zum Nahrungsmittel Importeur ersten Ranges. Ferner wünsche ich mir, dass wir wieder zu überschaubaren Betriebsstrukturen zurückkehren. Eine Massentierhaltung findet in der Bevölkerung keine Akzeptanz. Der Umbau von Ställen kann aber nur finanziert werden, wenn Geld im Portemonnaie der Bauern ist.

Ein weiterer Wunsch ist, dass wir faires Miteinander pflegen. Deutlich wird das zum Beispiel in der Erntezeit. Da fahren die Bauern einfach mal bis in die Nacht hinein, oder die Nacht hindurch. Sie machen das nicht mit Absicht, um jemanden zu ärgern. Sie nutzen das günstige Wetter aus. Das ist ganz legitim.
Ein respektvoller Umgang ist auch notwendig mit Personen, die sich pflanzlich ernähren. Wenn die Zahl derer steigt, dann eröffnet das wiederum Absatzmöglichkeiten für uns Bauern….. Denkt mal drüber nach, liebe Kollegen.

Am Schluß, da wünsche ich mir, dass wieder Schwung auf´s Land kommt. Dass die Ellenbogen-Mentalität verschwindet, und die „Jungen“ die Höfe ihrer Eltern übernehmen. Dass wir einen gerechten Lohn für unsere Arbeit erhalten, um frohen Mutes in die Zukunft zu blicken.

 

Euer Bauer Franz vom Berghof Kinker

 

 

 

 

 


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Hast du schon mal Milch getankt?

 

Nein, nicht so wie du jetzt denkst. Nicht für´s Auto. Dafür ist eine Milchtankstelle nicht gedacht. Wenn du dort frische Milch tankst, dann kannst du dir selber was Gutes tun. Und auch dem Bauern.

Eine Milchtankstelle hat viele positive Effekte: Der Landwirt kann einen Teil seiner Milch an einem Milchautomaten höherwertig verkaufen als über die Molkerei. Das ist in Zeiten, in denen der Milchpreis so niedrig ist wie derzeit, ganz wichtig. Klar, der Landwirt hat auch einen größeren Aufwand. Die Milchtankstelle muss erst mal bezahlt werden, und meist kommt noch ein Gebäude herum um die Tankstelle. Der Automat muss regelmäßig befüllt, gereinigt, und gewartet werden.

Den entscheidenden Vorteil sehe ich aber darin, dass der „ Bauer und die Kuh wieder ins Dorf“ kommen. Wenn ihr mal in eure Dörfer und Städte blickt: wie viele Bauern gibt es denn noch, und von wem könnt ihr frische Milch kaufen? Wenn ich unsere Feriengäste gelegentlich frage, dann kommt meist die Antwort:“ Bei uns, da gibt es keine Milchbauern mehr. Und wenn, dann nur ganz Große, die haben ihren Stall weit Außerhalb.“

 Regionalität, die ist wieder „in“

Der Anteil der Konsumenten, die Produkte aus der Region kaufen, steigt ständig. Das freut mich. Auch die großen Handelsketten haben erkannt, dass ihre Kunden verstärkt danach fragen. Jeder clevere Händler platziert die regionalen Erzeugnisse im vordersten Regal, und wirbt mit Bildern von bärtigen Bauern mit ihren glücklichen Kühen auf der Weide.

Kurze Wege

Die kurzen Warenströme haben auch aus Umwelttechnischer Sicht klare Vorteile. Milch aus dem Allgäu, die muss nicht unbedingt im Kühlregal in Hamburg stehen. Dort oben, da gibt es auch Molkereien. Als ich kürzlich mit dem Reisebus nach Hannover unterwegs war, da bin ich erschrocken, wie viele LKW Tag und Nacht unterwegs sind. Ich bin mir sicher, dass viele Transporte eingespart werden können, wenn die Kunden mehr Produkte aus ihrer Gegend kaufen.

Was spricht noch für den Einkauf an einer Milchtankstelle?

Viele Landwirte runden ihr Angebot mit Handelsprodukten von Kollegen ab. Der Kunde macht sich ja nicht gerne nur wegen der frischen Mich auf den Weg. Wenn dort Eier, Marmeladen, Honig, Nudeln, usw. angeboten werden, dann ist der Grundbedarf für eine Familie schon fast gedeckt.

 

Milchtankstelle 2

Milchtankstelle 2

 

Nicht zu vergessen sind die sozialen Aspekte

Ein Milchautomat, der steht meist an Stellen, die entweder gut mit dem Auto zu erreichen sind, oder dort, wo sich viele Menschen aufhalten. Ich habe schon einige Milchtankstellen gesehen, die waren hübsch dekoriert, und eine kleine Sitzbank stand unter dem Vordach. Die Leute haben sich dort getroffen, sich unterhalten und die Dorf-Neuigkeiten ausgetauscht. Auf diese Weise kommt wieder Leben ins Dorf. Ich kann mir gut vorstellen, dass auch ältere Bürger diesen Service in ihrem Ort schätzen. Wer kein Auto besitzt, und auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen ist, der ist sicher froh wenn er im Ort einkaufen kann.

 

Auch die Feriengäste werden dieses Angebot schätzen

Im Urlaub, da ticken die Uhren anders. Die Gäste erholen sich. Sie genießen ihre Freizeit und das kulinarischen Angebot. Da wird nicht jeder Cent genau betrachtet. Wer an einem lauen Sommerabend spontan Lust auf eine Grillparty hat, der fährt zum Regiomaten, und kauft sich dort die entsprechenden Zutaten. Rund um die Uhr.

Auch das berühmte Mitbringsel aus dem Urlaub für die Familie oder die Nachbarn, die sich zu Hause um die Blumen gekümmert haben – das kann man hier erwerben. Wer diese regionalen Produkte als Dankeschön aus dem Urlaub mitbringt, der kann sich sicher sein, dass seine Anerkennung gut ankommt.

 

Gut für das Image der Landwirtschaft.

Ich bin fest davon überzeugt, dass so ein schlüssiges Konzept wie oben beschrieben, dem Image der Landwirtschaft sehr förderlich ist. Wenn der Konsument dieses schmucke Häuschen sieht, und die eindrucksvolle Präsentation der Produkte – das begeistert doch.

Für die Zukunft wünsche ich mir, dass noch mehr Bauern den Schritt in diese Richtung wagen. Vorausgesetzt ist allerdings, dass ein ausreichender Kundenstamm und die Arbeitskapazitäten langfristig vorhanden sind.